Paramount Skydance sorgt mit einem überraschenden All-Cash-Gebot über 108 Milliarden US-Dollar für Warner Bros. Discovery für den größten Übernahmeschock der modernen Film- und Streamingbranche. Während WBD am Netflix-Deal festhält, richtet sich Paramount direkt an die Aktionäre – ein Schritt, der die Machtverhältnisse Hollywoods nachhaltig verändern könnte.
Mit einem Paukenschlag hat Paramount Skydance am 8. Dezember 2025 ein feindliches Übernahmeangebot für Warner Bros. Discovery (WBD) angekündigt. Das Angebot, das direkt an die Aktionär:innen adressiert ist, beläuft sich auf 30 US-Dollar pro Aktie und bewertet den gesamten WBD-Konzern mit rund 108,4 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich damit um eines der größten hostile bids in der Geschichte der Medienindustrie – und um einen direkten Angriff auf den bereits bestehenden Zusammenschluss zwischen WBD und Netflix.
Ein klares Signal: Cash statt Komplexität
Paramount positioniert das Angebot als „einfacher, sicherer und wertvoller“ im Vergleich zum Netflix-Deal. Während Netflix eine Mischung aus Cash und Aktien bietet und sich auf ausgewählte Assets – darunter HBO, Warner Bros. Pictures und Streamingrechte – konzentriert, will Paramount den gesamten Konzern übernehmen, inklusive der linearen Sender wie CNN, Discovery und Warner-Networks.
Die Finanzierung gilt laut Paramount als vollständig gesichert: Die Ellison-Familie, RedBird Capital sowie große Finanzinstitutionen wie Citi, Bank of America und Apollo Global Management stehen hinter der Offerte. Für die Branche ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass Paramount bereit ist, aggressiv und mit enormer finanzieller Kraft seine Marktposition neu zu definieren.
Warum das Angebot feindlich ist
Paramount behauptet, zuvor über Wochen hinweg versucht zu haben, mit dem WBD-Board in konstruktive Gespräche zu treten – erfolglos. Die Entscheidung, das Angebot direkt an Aktionär:innen zu richten, ist ein klassisches Zeichen eines hostile takeover. Paramount wirft dem WBD-Vorstand vor, trotz höherer Attraktivität des Angebots nicht ernsthaft auf Verhandlungen eingegangen zu sein.
Warner Bros. Discovery reagiert – vorsichtig
WBD bestätigte umgehend den Eingang der Offerte, hält aber weiterhin am Netflix-Deal fest. Die offizielle Linie lautet: Man prüfe das Angebot im Detail und werde innerhalb der regulatorisch vorgesehenen Frist eine Empfehlung abgeben. Vorläufig bittet der Vorstand seine Aktionäre, keine Maßnahmen zu ergreifen.
Damit beginnt ein spannender Machtkampf zwischen den Interessen der WBD-Führung und denen ihrer Anteilseigner. Denn der Aufschlag des Paramount-Gebots auf den ungestörten Aktienkurs ist signifikant – über 130 Prozent.
Das bedeutet der Bieterkrieg für die Branche
Egal wie der Machtkampf ausgeht: Die Auswirkungen auf die Film- und Streamingindustrie werden gewaltig sein.
Marktkonzentration: Eine erfolgreiche Übernahme würde einen der größten Content-Konzerne der Welt schaffen – mit IP-Katalogen von Star Trek bis DC, mit Nachrichtensendern, Studios und globalen Streamingplattformen.
Wettbewerb um Premium-IP: Die strategische Bedeutung hochwertiger Marken steigt weiter. Wer die Inhalte kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch den Zugang zu den Zuschauer:innen.
Regulatorische Unsicherheiten: Während Paramount die Einfachheit seines Angebots betont, weisen Analysten darauf hin, dass ein Zusammenschluss zweier der weltweit größten Mediengruppen unweigerlich zu intensiven kartellrechtlichen Prüfungen führen wird.
Paramounts feindlicher Vorstoß hat den Hollywood-Markt aufgeschreckt – und zugleich die Karten neu gemischt. Ob dieses Angebot tatsächlich die Netflix-Transaktion zu Fall bringt oder lediglich den Preis in die Höhe treibt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Sicher ist jedoch: Die Branche erlebt gerade einen historischen Moment, der die Machtstrukturen der globalen Medienlandschaft nachhaltig verändern könnte.
Quellenangaben
- Offizielle Pressemitteilung: „Paramount launches all-cash tender offer to acquire Warner Bros. Discovery for $30 per share“
- Offizielle Pressemitteilung: „Warner Bros. Discovery Confirms Receipt of Paramount Skydance Unsolicited Tender Offer“
- Branchenanalysen und Berichte aus: The Guardian, Reuters, AP News, Variety, Hollywood Reporter, Business Insider
