Es ist vollzogen: Nach fast einem Jahrzehnt gemeinsamer Geschichte gehen Lionsgate und Starz ab sofort getrennte Wege. Was einst als strategische Fusion von Studio und Streaming gedacht war, endete in einem stillen, aber vielsagenden Bruch – ganz ohne großes Hollywood-Drama.
Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche zwischen Mega-Konzernen und aufgekauften Nischenanbietern kaum noch Platz für Mittelklasse-Player lässt. Für Lionsgate und Starz bedeutet die Unabhängigkeit vor allem eines: Beide machen sich verkaufsfähig – oder bereit für eine Fusion.
Starz: Schlanker, digitaler – und unter Druck
Starz will als eigenständige Marke neu durchstarten – mit Fokus auf digitale Abonnenten in den USA und Kanada, insbesondere auf Frauen und unterrepräsentierte Zielgruppen. Eine klare Positionierung, aber kein Selbstläufer.
Während die Streaming-Abos zuletzt auf über 13 Millionen stiegen, verlor der Dienst durch das Ende eines linearen Kanada-Deals rund 330.000 Kunden. Der Umsatz fiel um über 6 % auf 330,6 Mio. Dollar. Zugleich verordnete sich das Unternehmen eine radikale Kostenkur: Eine Abschreibung über 177 Mio. Dollar und eine geplante Reduktion der jährlichen Content-Ausgaben von 800 auf 650 Mio. sollen die Bilanz stabilisieren. Künftig setzt Starz stärker auf Lizenzware von Lionsgate und Universal statt auf teure Eigenproduktionen.
Doch mit über 550 Mio. Dollar Nettoschulden und einem Ramsch-Rating von Moody’s steht Starz finanziell wacklig da. Das Management verweist auf eine 15 % Marge und einen Digitalanteil von 70 % – aber der Markt bleibt skeptisch. Ohne internationales Wachstum bleibt Starz ein Nischen-Streamer mit begrenztem Spielraum – und ein potenzielles Übernahmeziel. Sony wird hinter den Kulissen bereits als logischer Kandidat gehandelt.
Lionsgate: Befreit – aber nicht frei von Risiken
Lionsgate hatte Starz nie wirklich in den Griff bekommen – zu unterschiedlich waren Kultur, Geschäftsmodell und strategischer Fokus. Jetzt, ohne Ballast, will sich das Studio als reiner IP-Anbieter neu aufstellen – und für potenzielle Käufer attraktiver machen.
An der New Yorker Börse als LION gelistet, bringt das Studio aktuell rund 2 Milliarden Dollar auf die Waage – inklusive einem beachtlichen Katalog von 20.000 Titeln, darunter John Wick, The Hunger Games, Twilight oder Saw. Klingt stark, hat aber Haken: Viele Rechte sind aufgeteilt, regional begrenzt oder an Revenue-Sharing-Modelle gekoppelt – und damit schwer zu bewerten.
Zudem bleibt die Box-Office-Performance durchwachsen. Ballerina, ein weiblicher John Wick-Spin-off, enttäuschte an den Kinokassen – ein weiteres Beispiel für Franchise-Müdigkeit und die wachsende Skepsis gegenüber kalkulierten Reboots.
Trotzdem: Lionsgate ist einer der letzten unabhängigen Player mit nennenswertem Katalog. Gespräche mit Legendary Entertainment – finanziert von Apollo Global – laufen bereits. Eine Fusion könnte beiden helfen: Lionsgate bringt das Archiv und Produktionsinfrastruktur, Legendary das Blockbuster-Potenzial. Anders als viele Wunsch-Konstellationen in der Branche wäre dieser Deal realistisch – und strategisch sinnvoll.
KI als Zukunftswette
Neben klassischem Content setzt Lionsgate auch auf Technologie. In Zusammenarbeit mit dem KI-Start-up Runway trainiert das Studio Modelle mit eigenem Filmmaterial – für virtuelle Sets, automatisierte Pre-Production oder effizientere Greenlighting-Prozesse.
Wichtig: Lionsgate sieht KI nicht als Ersatz für Kreative, sondern als Werkzeug zur Kostensenkung. In Zeiten post-streikbedingter Sensibilität ein wichtiger Punkt. Ob das reicht, um sich langfristig von der Konkurrenz abzuheben, bleibt offen – denn ohne Publikumserfolg hilft auch die beste Tech nicht.
Die neue Mitte Hollywoods: Ausgedünnt und überlebenshungrig
Der Split zwischen Lionsgate und Starz ist exemplarisch für den Zustand der Branche: Die Mitte wird dünn. Zwischen Tech-Giganten und alten Studios bleibt wenig Raum für mittelgroße Anbieter ohne Plattform oder globale Reichweite. Wer überlebt, konsolidiert – oder verkauft.
Starz setzt auf Konzentration und Effizienz. Lionsgate auf IP, Verhandlungsgeschick und Transformationspotenzial. Beide Strategien sind nicht ohne Charme – aber nur dann tragfähig, wenn Käufer überzeugt werden.
FAZIT:
Die Trennung war kein Drama – aber ein klares Signal: Beide Unternehmen machen sich bereit für das nächste Kapitel. Starz wirkt wie ein sauberes Übernahmeziel. Lionsgate positioniert sich als IP-Schatztruhe auf der Suche nach einem strategischen Partner. Die Frage ist nicht ob, sondern wann – und zu welchem Preis.
FILMTAKE berichtet ausführlich.
