Die Europäische Kommission hat in ihrem aktuellen European Media Industry Outlook alarmierende Entwicklungen offengelegt: Globale Medienkonzerne aus den USA und China sichern sich immer größere Anteile am europäischen Markt – und verdrängen zunehmend heimische Anbieter.

US-Player kontrollieren Vertrieb und Konsum

Besonders im audiovisuellen Bereich zeigt der Bericht deutliche Schieflagen. Auf Streaming-Plattformen stellen europäische Produktionen zwar rund 20 % des Angebots, doch beim Publikum kommen sie weit weniger an: 61 % der Abrufzeit entfällt auf US-Inhalte. Auch im Kino bleibt die Abhängigkeit von Hollywood groß: Zwei Drittel aller Tickets werden für US-Filme verkauft, während europäische Produktionen nur knapp ein Drittel erreichen.

Hinzu kommt, dass die großen Vertriebskanäle – YouTube, Netflix, Disney+, Amazon Prime und Co. – fast ausnahmslos in nicht-europäischer Hand sind. Sie bestimmen nicht nur, was sichtbar wird, sondern schöpfen auch den Löwenanteil der Erlöse ab.

Marktanteile verschieben sich rasant

Ein Blick auf die 100 umsatzstärksten Medienunternehmen Europas verdeutlicht die Machtverschiebung: US-Konzerne wie Comcast, Disney, Netflix oder Google vereinen inzwischen rund 40 % der Umsätze auf sich. Der Anteil europäischer Firmen ist im selben Zeitraum von 67 % (2016) auf nur noch 59 % (2023) gefallen – ein Trend, der sich weiter verstärkt.

Kulturelle und wirtschaftliche Risiken

Die EU warnt vor den Folgen dieser Entwicklung:

  • Ökonomische Abhängigkeit – Gewinne und Datenströme fließen vermehrt ins Ausland.

  • Kulturelle Verdrängung – europäische Geschichten und Stimmen verlieren an Sichtbarkeit.

  • Gefährdete Vielfalt – kreative Freiheit und journalistische Unabhängigkeit geraten unter Druck.

Gerade für die Nachrichtenmedien, die ohnehin durch schrumpfende Werbeerlöse geschwächt sind, könnte die Dominanz der globalen Plattformen existenzbedrohend werden.

EU fordert Kurswechsel

Mit dem Report sendet die Kommission ein deutliches Signal: Europa müsse dringend in eigene Strukturen investieren – von der Förderung europäischer Streaming-Angebote bis hin zu einem stärkeren rechtlichen Rahmen, der Vielfalt und faire Wettbewerbsbedingungen sichert.

Die Botschaft ist klar: Ohne eine strategische Stärkung der eigenen Medienlandschaft droht Europa zum reinen Konsumenten fremder Inhalte zu werden – mit allen kulturellen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Quelle: European Media Industry Outlook – Europäische Kommission
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