Paramount, Comcast und Netflix haben ihre ersten unverbindlichen Angebote für Warner Bros. Discovery abgegeben. Der Medienkonzern prüft nun, ob er sich komplett, teilweise – oder gar nicht – verkaufen wird. Der Ausgang könnte die Machtverhältnisse in Hollywood grundlegend verändern.
Warner Bros. Discovery (WBD) steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Der Medienkonzern prüft derzeit, ob er sich – ganz oder teilweise – verkaufen soll. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen liegen dem Management mehrere unverbindliche Erstangebote vor. Bis zum Stichtag am 20. November sollen Paramount Skydance, Comcast und Netflix entsprechende Offerten eingereicht haben. Ob weitere Interessenten Gebote abgegeben haben, ist bislang unklar.
Wie üblich mussten alle potenziellen Käufer im Vorfeld Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnen. Offizielle Stellungnahmen lehnten Paramount Skydance, Netflix, Comcast und WBD ab.
Bereits im Oktober hatte Warner Bros. Discovery öffentlich gemacht, dass mehrere Parteien Interesse an einer Übernahme signalisiert hatten. Nun will der Vorstand die ersten Angebote noch vor Thanksgiving sichten und bis Ende 2025 entscheiden, welchen Weg das Unternehmen einschlagen wird.
Ellison bietet erneut – Ziel: Komplettübernahme
David Ellison, der nach der Fusion von Paramount und Skydance derzeit auf Expansionskurs ist, gehört zu den aktivsten Bietern. Sein bereits zuvor abgelehnter Vorschlag – rund 23,50 US-Dollar pro Aktie, überwiegend in bar – wurde laut Medienberichten in ähnlicher Form erneut eingereicht. Finanziell unterstützt wird Ellison dabei von seiner Familie, inklusive Tech-Milliardär Larry Ellison, sowie von RedBird Capital. Der Deal hätte unter anderem vorgesehen, dass WBD-CEO David Zaslav weiterhin eine führende Rolle im fusionierten Unternehmen übernimmt.
WBD signalisiert zudem Offenheit für ein Modell, bei dem das Warner-Bros.-Kerngeschäft – inklusive HBO Max und der Filmstudios – separat vom Discovery-TV-Bereich verkauft wird. Diese Option passt zu den bereits angekündigten Plänen, Warner Bros. Discovery bis April 2026 in zwei eigenständige Gesellschaften aufzuteilen. Geplant ist, dass Zaslav künftig Warner Bros. leitet, während Finanzchef Gunnar Wiedenfels CEO von Discovery Global wird.
Netflix und Comcast fokussieren auf Streaming- und Studiovermögen
Netflix und Comcast zeigen vor allem Interesse an den Streaming- und Studioassets – das klassische TV-Geschäft des Konzerns spielt für sie dagegen kaum eine Rolle. Während die Übernahme durch Paramount nach Einschätzung der Ellison-Seite am wenigsten regulatorische Hürden mit sich bringen würde, schlägt insbesondere ein mögliches Netflix-WBD-Bundle politisch hohe Wellen: Die Aussicht, dass der führende Streaminganbieter zusätzlich HBO Max kontrolliert, sorgt für kartellrechtliche Bedenken.
Netflix wiederum versucht, Bedenken zu zerstreuen und soll WBD zugesichert haben, bestehende Kinostartmodelle nicht anzutasten – ein wichtiger Punkt, da Warner Bros. weiterhin auf exklusive Auswertungsfenster setzt.
Personalabsicherung im Hintergrund – und ein möglicher Plan B
Parallel zur Bieterschlacht hat der WBD-Aufsichtsrat die Verträge von CEO Zaslav und weiteren Top-Managern angepasst, damit deren Aktienoptionen auch im Fall eines Verkaufs Bestand haben.
Doch trotz intensiver Gespräche und wachsendem Druck durch die Interessenten ist ein Verkauf keineswegs garantiert. Eine Option bleibt weiterhin auf dem Tisch: WBD könnte die eingegangenen Gebote ablehnen und stattdessen am ursprünglichen Plan festhalten, das Warner-Bros.-Geschäft als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen abzuspalten. Discovery Global würde in diesem Szenario den Großteil der aktuellen Schulden tragen und könnte bis zu 20 % der neuen Warner-Bros.-Einheit behalten.
