Die Reform der deutschen Film- und Serienförderung bleibt in Bewegung – und die technisch-kreativen Dienstleister bringen sich zunehmend offensiv in die Debatte ein. Auf seiner Frühjahrstagung hat der Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) seine Rolle als zentraler Akteur im Produktionsökosystem bekräftigt und zugleich politische Signale aus Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Im Mittelpunkt des Branchentreffens Anfang Mai im DHL Innovation Center in Troisdorf standen vor allem zwei Themen: die geplante Investitionsverpflichtung für Streamer und Sender sowie die Neuausrichtung der Bundesförderung. Beide Instrumente gelten als zentrale Bausteine der aktuellen Reformagenda – und als entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Liminski: Reform ist „Startpunkt“, nicht Abschluss

Mit Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei und Medienminister in Nordrhein-Westfalen, hatte der VTFF einen der derzeit einflussreichsten Medienpolitiker als Keynote-Sprecher gewonnen. Seine Botschaft: Die vorliegenden Gesetzesinitiativen markieren erst den Beginn eines umfassenderen Transformationsprozesses.

Der aktuell diskutierte Entwurf für ein Investitionsverpflichtungsgesetz sei ein „guter Startpunkt“ und vereine unterschiedliche Interessenlagen. Gleichzeitig verwies Liminski auf die geplante Aufstockung der Fördermittel auf rund 250 Millionen Euro – ein Signal, das angesichts angespannter Haushaltslagen politisch nicht selbstverständlich ist.

Entscheidend werde nun sein, wie die konkreten Branchenvereinbarungen ausgestaltet werden. Ziel müsse es sein, tatsächliche Investitionen in den Produktionsstandort Deutschland sicherzustellen – flankiert durch eine gesetzliche Mindestquote.

Fokus auf das gesamte Ökosystem

Bemerkenswert ist, dass Liminski in seiner Rede explizit die Rolle der technisch-kreativen Dienstleister hervorhob. Sie seien ein unverzichtbarer Bestandteil der Wertschöpfungskette und maßgeblich dafür verantwortlich, dass audiovisuelle Inhalte überhaupt realisiert werden können.

Zugleich warnte er vor einer einseitigen Fokussierung auf Großproduktionen. Für eine stabile Infrastruktur brauche es auch ein kontinuierliches Volumen an mittleren und kleineren Projekten – ein Punkt, der gerade für Dienstleister wirtschaftlich entscheidend ist.

VTFF fordert Platz am Verhandlungstisch

Für den VTFF selbst geht es in der aktuellen Phase vor allem um Mitsprache. Geschäftsführer Achim Rohnke machte deutlich, dass der Verband sich aktiv in das laufende Gesetzgebungsverfahren einbringen will, das voraussichtlich bis Ende 2026 andauern wird.

Die zentrale Forderung: Technisch-kreative Dienstleister sollen bei den anstehenden Verhandlungen mit Sendern und Streamern gleichberechtigt vertreten sein – nicht nur indirekt über Produzentenverbände. Angesichts ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für den Produktionsstandort sei das überfällig.

Internationale Beispiele liefern Argumente

Rückenwind bekommt die Forderung nach einer Investitionsverpflichtung auch aus ökonomischer Perspektive. Die Strategieberaterin Andrea Zuska verwies auf Erfahrungen aus Frankreich, wo eine entsprechende Regelung bereits 2021 eingeführt wurde. In einem zuvor stagnierenden Markt habe dies zu neuem Wachstum geführt – ein Argument, das auch in der deutschen Debatte zunehmend Gewicht bekommt.

Reformprozess bleibt offen

Trotz vorsichtigen Optimismus ist klar: Die entscheidenden Auseinandersetzungen stehen noch bevor. Sowohl die konkrete Ausgestaltung der Förderinstrumente als auch die Machtverhältnisse innerhalb der Branche sind weiterhin in Bewegung.

Oder, wie Liminski es formulierte: Die aktuellen Vorschläge sind ein Anfang – „aber kein Abpfiff der Diskussion“.

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Bild: © Paxabay