2026 Nostradamus Report: Eine Branche im Umbruch zwischen Film, Streaming und Creator Economy
Der neue 2026 Nostradamus Report der Göteborg Film Festival zeichnet das Bild einer audiovisuellen Industrie, die sich nicht mehr in getrennten Kategorien denken lässt. Film, Fernsehen, Streaming und Creator Media verschmelzen zunehmend zu einem einzigen, komplexen Ökosystem – und genau diese Verschiebung stellt traditionelle Erfolgsmodelle grundlegend infrage.
Unter dem Titel “Challenging Projections” analysiert der von Medienanalystin Johanna Koljonen verfasste Bericht eine Branche, die sich nach einem Jahrzehnt permanenter Disruption neu sortieren muss. Die zentrale Erkenntnis: Die bisherigen Trennlinien zwischen Kino, TV und Online-Inhalten lösen sich auf – sowohl wirtschaftlich als auch kreativ.
Ein Ökosystem statt getrennter Medienwelten
Der Report beschreibt die audiovisuelle Landschaft erstmals konsequent als ein zusammenhängendes System. Inhalte entstehen heute nicht mehr entlang klarer Distributionswege, sondern zirkulieren zwischen Plattformen, Formaten und Communities.
Dabei zeigt sich eine doppelte Bewegung: Während klassische TV-Drama-Produktionen deutlich zurückgehen, erlebt die Filmproduktion in einigen Märkten neue Höchststände – gleichzeitig wächst der Bereich kurzformatiger Serien und sogenannter „micro-dramas“ rasant.
Die Folge: Die Grenzen zwischen professioneller Filmindustrie und Creator Economy verschwimmen zunehmend.
Creator Economy als neue Produktionsrealität
Ein zentrales Thema des Reports ist der Aufstieg von Creatorinnen und Influencerinnen als feste Größe im audiovisuellen Produktionssystem. Was früher als „parallel“ zur Film- und TV-Branche galt, ist heute längst integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette.
Neue Karrieren entstehen zunehmend außerhalb klassischer Institutionen und gelangen erst später in etablierte Produktionsstrukturen. Gleichzeitig tut sich die traditionelle Industrie noch schwer damit, diese Entwicklung vollständig anzuerkennen.
Neue Geschäftsmodelle und die Frage nach Erfolg
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erfolg künftig definiert wird. Klassische Kennzahlen wie Kinozahlen oder lineare Quoten verlieren an Bedeutung, während Reichweite, Community-Bindung und IP-Langlebigkeit wichtiger werden.
In diesem Kontext entstehen neue Modelle der „Content Economy“, in denen Inhalte nicht mehr als einzelne Werke, sondern als langfristige Marken- und Ökosysteme verstanden werden. Communities werden dabei zunehmend zu aktiven Mitgestaltern.
Relevanz statt Nostalgie
Der Report warnt davor, neue digitale Formate weiterhin als „weniger wertvoll“ zu betrachten. Diese Haltung verhindere, dass die Branche von erfolgreichen neuen Erzähl- und Distributionsformen lernt.
Stattdessen braucht es eine stärkere Orientierung an realem Publikumsverhalten – unabhängig davon, ob Inhalte im Kino, auf Streaming-Plattformen oder auf Social Media entstehen.
Fazit: Eine Branche ohne klare Grenzen
Der Nostradamus Report 2026 liefert kein klassisches Zukunftsszenario, sondern eine Zustandsbeschreibung eines Systems im Übergang. Die wichtigste Erkenntnis: Die audiovisuelle Industrie ist längst keine lineare Wertschöpfungskette mehr, sondern ein vernetztes, dynamisches Ökosystem.
Für Produzent*innen, Förderinstitutionen und Kreative bedeutet das vor allem eines: Erfolgreich wird künftig sein, wer nicht mehr in alten Kategorien denkt – sondern in Plattformen, Communities und flexiblen Erzählräumen.
