Die Bereitschaft des Publikums, sich stärker an Kinos zu binden, ist deutlich höher als die aktuelle Nutzung entsprechender Angebote vermuten lässt. Das zeigt das aktuelle Kinobarometer 06/2026 von SL Research, das die Einstellungen deutscher Kinogänger zu Abomodellen, Premiumformaten, Programmtrends und Konsumverhalten untersucht hat. Die Erhebung basiert auf einer Befragung von 868 Kinogänger ab 16 Jahren, deren Zusammensetzung an das deutsche Kinopublikum angepasst wurde.
Kinoabos mit großem Wachstumspotenzial
Obwohl Kinoabonnements in Deutschland bereits seit Jahren existieren, werden sie bislang nur von einem vergleichsweise kleinen Teil des Publikums genutzt. Laut Kinobarometer greifen derzeit lediglich neun Prozent der Befragten auf ein entsprechendes Angebot zurück.
Das Interesse an solchen Modellen ist jedoch erheblich größer: Rund 60 Prozent der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, ein Kino-Abo zu nutzen. Besonders aufgeschlossen zeigen sich jüngere Zielgruppen unter 30 Jahren – eine wichtige Erkenntnis für Kinos, die langfristige Kundenbindung und regelmäßige Besuche fördern wollen.
Auch die Zahlungsbereitschaft fällt für die Branche interessant aus: Ein großer Teil des Publikums sieht monatliche Beiträge zwischen 20 und 25 Euro als akzeptabel an. Damit bewegen sich viele potenzielle Kund in einem Bereich, der bereits heute mit bestehenden Flatrate-Angeboten vergleichbar ist.
Für Kinobetreiber könnten Abomodelle damit ein wichtiger Hebel werden, um Besuchshäufigkeit, Kundenbindung und Planbarkeit der Umsätze zu erhöhen.
Premium-Kino gewinnt an Bedeutung
Parallel zur Diskussion über neue Geschäftsmodelle wächst die Bedeutung hochwertiger Kinoerlebnisse. Premium Large Format (PLF) entwickelt sich zunehmend zu einem Differenzierungsmerkmal gegenüber dem heimischen Streaming-Erlebnis.
Die bekannteste Premiumkino-Marke bleibt IMAX: 79 Prozent der Befragten kennen das Format. Auch Dolby Cinema erreicht mit 69 Prozent einen hohen Bekanntheitsgrad. Andere Premiumformate wie UCI iSense, 4DX oder ScreenX sind deutlich weniger bekannt.
Dabei zeigt sich ein geschlechtsspezifischer Unterschied: Männer kennen Premiumformate häufiger und suchen auch eher gezielt nach entsprechenden Angeboten. Für Kinos bedeutet dies, dass die Vermittlung des Mehrwerts von Premiumsälen weiterhin eine zentrale Marketingaufgabe bleibt.
Klassiker als neues Programmsegment
Neben technischen Innovationen zeigt die Untersuchung auch eine starke Nachfrage nach vergangenen Kinoerlebnissen. Fast zwei Drittel der Befragten interessieren sich für Filmklassiker auf der großen Leinwand.
Besonders überraschend: Das Interesse kommt nicht nur von älteren Zielgruppen. Gerade jüngere Kinofans zeigen eine hohe Offenheit gegenüber älteren Filmen. Besonders gefragt sind Werke aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren.
Für Kinos und Verleiher eröffnet dies zusätzliche Programmchancen – etwa durch Sonderreihen, Jubiläumsaufführungen oder kuratierte Klassiker-Events.
3D verliert weiter an Attraktivität
Während Premiumformate insgesamt an Bedeutung gewinnen, bleibt 3D ein schwieriger Markt. Zwar sehen viele Zuschauer grundsätzlich einen Mehrwert im dreidimensionalen Erlebnis, die Mehrheit bevorzugt jedoch weiterhin klassische 2D-Vorstellungen.
Nur ein Teil des Publikums ist bereit, für 3D einen Aufpreis zu bezahlen. Gleichzeitig gaben zahlreiche Befragte an, bereits auf einen Kinobesuch verzichtet zu haben, wenn ein gewünschter Film ausschließlich in 3D angeboten wurde.
Die Ergebnisse zeigen: Technische Innovation allein reicht nicht aus. Entscheidend bleibt, ob das Publikum einen klaren Mehrwert erkennt.
Zusatzumsätze bleiben Herausforderung
Auch der Bereich Concessions bleibt ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit von Kinos. Gleichzeitig zeigt das Kinobarometer eine zunehmende Preissensibilität: Viele Befragte empfinden Snacks und Getränke im Kino als zu teuer und haben ihren Konsum reduziert.
Während die Preise für Kinotickets vergleichsweise selten als problematisch bewertet werden, stehen vor allem Zusatzkäufe stärker unter Druck. Bonusprogramme könnten hier eine wichtige Rolle spielen: Viele Nutzer schätzen vor allem Freikarten, Rabatte und Vergünstigungen.
Fazit: Das Kino muss stärker über Erlebnis und Bindung verkaufen
Die Ergebnisse des Kinobarometers zeigen ein Publikum, das dem Kino grundsätzlich weiterhin offen gegenübersteht – aber neue Erwartungen an das Erlebnis hat.
Die größten Chancen liegen demnach in einer Kombination aus:
- flexiblen Abo-Modellen zur Kundenbindung,
- hochwertigen Premiumformaten als Abgrenzung zum Streaming,
- attraktiven Klassikerprogrammen,
- und intelligenten Bonus- und Preismodellen.
Für die Kinobranche bedeutet dies: Nicht allein der Film entscheidet über den Erfolg, sondern zunehmend das gesamte Erlebnis rund um den Kinobesuch.
