Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Teil des Europarats in Straßburg, hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der die Rolle von Adaptionen in der europäischen audiovisuellen Fiktionsproduktion untersucht. Die Studie mit dem Titel “Adaptations in audiovisual fiction production in Europe” beleuchtet die Jahre 2015 bis 2023 und liefert spannende Einblicke in die Entstehung und Verbreitung von adaptierter Fiktion in Europa.
Dem Bericht zufolge entstehen in Europa jedes Jahr über 160 neue Titel – bestehend aus Fernsehfilmen und Serienstaffeln – und mehr als 1.400 Stunden an adaptierten Inhalten. Insgesamt machten Adaptionen 14 % aller fiktionalen audiovisuellen Werke in diesem Zeitraum aus.
Ein bemerkenswerter Befund ist, dass 88 % der europäischen TV- und Streaming-Adaptionen auf Originalwerken aus Europa basieren. Mehr als die Hälfte dieser Vorlagen stammt aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien. Hingegen basieren nur etwa 12 % der europäischen Adaptionen auf nicht-europäischen Werken, vor allem aus den USA.
Streamingdienste wie Netflix spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Sie setzen stärker auf Adaptionen als traditionelle Fernsehsender: Zwischen 2021 und 2023 basierten 20 % der von Streaminganbietern produzierten Originalfiktionen auf bestehenden Vorlagen, während der Anteil bei privaten Fernsehsendern bei 15 % und bei öffentlich-rechtlichen Sendern bei 11 % lag. Besonders aktiv bei der Beauftragung von Adaptionen waren in diesem Zeitraum die BBC, ZDF, ARD, Netflix und France Télévisions, die jeweils mehr als 100 Adaptionen umsetzten.
Die meisten Adaptionen greifen auf Bücher (74 %) oder bereits existierende Fernsehserien (19 %) zurück. Kriminal- und Detektivromane sind besonders gefragt, wobei Werke von Agatha Christie und Claudia Rossbacher zu den am häufigsten adaptierten zählen. Allerdings ging die Zahl der Buchadaptionen von 2022 auf 2023 um 13 % zurück, was größtenteils mit einem allgemeinen Rückgang der fiktionalen Audioproduktion in Europa zusammenhängt.
Interessant ist auch die Herkunft der Vorlagen: Während die meisten Buchadaptionen aus dem gleichen Land stammen wie die Produktion selbst, kommen die Vorlagen bei Serienadaptionen fast immer aus dem Ausland. Besonders beliebt sind Remakes erfolgreicher Formate wie der norwegischen Serie SKAM, der britischen Serie Liar, der israelischen Serie BeTipul (In Therapie) und der belgischen Serie Professor T.
Geografisch gesehen ist der Anteil der Adaptionen an der nationalen fiktionalen Produktion im Vereinigten Königreich am höchsten (25 %), gefolgt von Italien, Schweden, Frankreich, Spanien und Polen. Während britische und deutsche Produktionen stark auf Buchvorlagen setzen, kombinieren Länder wie die Niederlande und Tschechien Bücher und Serienvorlagen gleichermaßen.
Formate wie hochwertige Serien mit bis zu 13 Folgen pro Staffel (54 %) oder Fernsehfilme (36 %) dominieren das Adaptionen-Genre. Außerdem ist der Anteil von Adaptionen bei Koproduktionen deutlich höher (23 %) als bei rein national produzierten Inhalten (13 %).
Diese umfassende Studie zeigt, dass Adaptionen ein wesentlicher Bestandteil der europäischen audiovisuellen Fiktion geworden sind – mit Büchern als wichtigster Inspirationsquelle und einem wachsenden Einfluss internationaler Serienvorlagen.
Den Bericht „Adaptations in audiovisual fiction production in Europe“ herunterladen.
Bild mit KI generiert, Chat-GPT
