Kalifornien hat sein Film- und Fernsehsteuervergünstigungsprogramm deutlich ausgeweitet: Ab dem 1. Juli 2025 stehen jährlich bis zu 750 Millionen Dollar zur Verfügung – mehr als doppelt so viel wie bisher. Ziel ist es, Produktionen in Kalifornien zu halten, statt sie an billigere Standorte wie Georgia oder New York zu verlieren.
Hoffnungsschimmer für Hollywood – doch wie nachhaltig ist er?
Nach Jahren mit Produktionsausfällen, Streiks und Jobverlusten hoffen viele Filmschaffende auf einen Neuanfang. 2024 verzeichnete Los Angeles die zweitniedrigste Zahl an Drehtagen überhaupt, und seit 2022 gingen über 17.000 Arbeitsplätze in der Branche verloren. Gewerkschaften loben das neue Förderprogramm als Jobmotor. Gegner hingegen zweifeln am Nutzen für die Gesamtwirtschaft und kritisieren die hohe Belastung des Staatshaushalts.
Einige befürchten, dass die Fördergelder vor allem großen Studios zugutekommen – ohne die zugrunde liegenden Probleme zu lösen: hohe Produktionskosten, langsame Bürokratie und steigende Sicherheitsbedenken in Großstädten wie L.A.
Höhere Einzel-Förderungen und mehr Vielfalt
Neben dem erhöhten Gesamtbudget sieht ein begleitender Gesetzesentwurf (AB 1138) vor, auch die Einzel-Förderungen anzuheben: Bis zu 35 % der Produktionskosten in Los Angeles und sogar bis zu 40 % in wirtschaftlich benachteiligten Regionen können rückerstattet werden. Neu hinzu kommen Animationsfilme, kurze Serienformate und ausgewählte Doku-Projekte, um mehr Vielfalt und kleinere Produktionen zu fördern.
Förderzusage für 48 Projekte – mit Fokus auf unabhängige Produktionen
In der jüngsten Förderrunde wurden 48 Filmprojekte genehmigt – darunter 43 unabhängige Produktionen. Diese sollen insgesamt rund 664 Millionen Dollar in die kalifornische Wirtschaft bringen und tausende Arbeitsplätze sichern. Einige Großproduktionen wie TriStars “One of Them Days” sind zwar dabei, doch der Großteil der Fördermittel fließt in kleinere Filme, die häufig außerhalb von L.A. gedreht werden – dort locken zusätzliche Bonusanreize.
Alte Probleme bleiben: Bürokratie, Kosten, Konkurrenz
Trotz der neuen Förderung bleibt die Lage angespannt. Vor allem das Genehmigungssystem von FilmLA wird als langsam und teuer kritisiert. Auch die hohen Kosten für Personal und Technik in Kalifornien machen es schwer, mit Standorten wie Georgia oder Osteuropa zu konkurrieren. Viele Studios haben in der Zeit der Streiks bereits Alternativen im Ausland erschlossen – und könnten langfristig dort bleiben.
Bundesweite Lösung gefordert
Einige Branchenvertreter fordern inzwischen eine nationale Strategie – etwa Steuervergünstigungen auf Bundesebene oder sogar Strafzölle für im Ausland produzierte Inhalte. Solche Maßnahmen gelten zwar als politisch unwahrscheinlich, zeigen aber, wie groß die Sorge um die Zukunft der US-Filmindustrie ist.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung – aber kein Allheilmittel
Kaliforniens Steueranreiz-Programm ist ein wichtiges Signal für die Branche, aber kein Allheilmittel. Ohne strukturelle Reformen – insbesondere bei Genehmigungen, Sicherheit und Produktionskosten – droht das Programm zum kurzfristigen Pflaster zu werden. Nur wenn der Standort Kalifornien wieder als verlässlich und effizient gilt, kann Hollywood dauerhaft gestärkt werden.
FILMTAKE berichtet ausführlich.
