Ein neues Kapitel für nachhaltige Produktionen
Die deutsche Film- und TV-Landschaft muss sich auf strengere Umweltauflagen einstellen. Ab dem 1. November 2025 tritt eine überarbeitete Fassung der Ökologischen Standards in Kraft. Das geht aus dem offiziellen Dokument der Initiative Green Motion hervor, das Anfang September veröffentlicht wurde. Demnach steigt die Zahl der verpflichtenden Muss-Vorgaben von 22 auf 25 – ein kleiner Schritt auf dem Papier, ein großer für die Praxis.
Von der Kür zur Pflicht
Was bisher eher Empfehlung war, wird nun zur Bedingung. Mehrere bisherige „Soll-Vorgaben“ rücken in die Kategorie der verbindlichen Standards. Betroffen sind insbesondere Energieverbrauch, Mobilität und Ressourcenmanagement.
Im Klartext heißt das: Sets müssen stärker auf erneuerbare Energien setzen, Transporte nachhaltiger organisiert werden, und Abfallvermeidung rückt ins Zentrum. „Das Ambitionsniveau steigt deutlich“, heißt es in der Einleitung des Green-Motion-Dokuments.
Ein Balanceakt für Produzent:innen
Für Produzent:innen bedeutet die Verschärfung zusätzliche Planung und Kosten – aber auch mehr Klarheit. „Wenn Standards zur Pflicht werden, schafft das Verbindlichkeit und gleiche Bedingungen für alle“, betont ein Branchenvertreter im Umfeld des Arbeitskreises Green Shooting.
Förderinstitutionen sehen darin zudem eine Chance: Nachhaltigkeit wird zur Qualitätsmarke und kann deutsche Produktionen im internationalen Wettbewerb profilieren.
Kontrolle ist kein Nebenschauplatz
Die Einhaltung der Standards soll nicht dem Zufall überlassen bleiben. Neben ausführlicher Dokumentationspflichten tritt ein neu eingerichtetes Nachhaltigkeitsboard in Erscheinung – paritätisch besetzt, um unterschiedliche Perspektiven aus Produktion, Förderung und Umweltarbeit einzubringen. Seine Aufgabe: die Umsetzung überwachen und die Weiterentwicklung der Standards steuern.
Mehr als ein grünes Feigenblatt
Kritiker:innen hatten den bisherigen Katalog bisweilen als halbherzig bezeichnet. Mit der Verschärfung will Green Motion nun zeigen, dass es ernst wird. Die Standards sind längst nicht mehr bloßes Förderkriterium, sondern Teil einer übergeordneten Transformation.
„Nachhaltiges Produzieren ist kein Zusatz mehr, sondern der neue Normalzustand“, so die Botschaft zwischen den Zeilen.
Blick nach vorn
Ob die Branche die höheren Anforderungen als Bürde oder Chance begreift, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist: Ab November 2025 gibt es kein Zurück mehr. Wer in Deutschland Kino, TV oder VoD produziert und Fördergelder beanspruchen will, kommt an den neuen Muss-Vorgaben nicht vorbei.
Damit ist die Filmbranche ein Stück näher an dem Ziel, klimafreundlicher zu arbeiten – und setzt zugleich ein Signal: Nachhaltigkeit ist nicht länger Beiwerk, sondern Dreh- und Angelpunkt der Produktion.
