Die deutsche Film- und Fernsehbranche steht erneut vor finanzieller Ungewissheit. Eigentlich sollten ab Januar 2026 rund 250 Millionen Euro an Fördergeldern für neue Produktionen fließen – eine Summe, die Bund und Länder bereits zugesagt hatten. Doch nun ist die Hälfte dieses Budgets an ein noch nicht verabschiedetes Investitionsgesetz für Streamingdienste und TV-Sender gekoppelt.
Der Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) reagiert alarmiert. Geschäftsführer Achim Rohnke spricht von einem „echten Drama“ und kritisiert, dass die dringend benötigte Reform der Filmförderung wieder ins Stocken gerät. Nach seiner Einschätzung könnten sich die Auszahlungen nun weit ins Jahr 2026 verschieben.
Politische Blockade bremst Branche aus
Im Sommer hatte die Bundesregierung eine nahezu Verdopplung der Filmförderung beschlossen. Ziel war es, den Deutschen Filmförderfonds (DFFF 1 und 2) und den German Motion Picture Fund (GMPF) deutlich aufzustocken. Doch das Bundesfinanzministerium macht die Freigabe der Mittel von einem neuen Investitionsgesetz abhängig, das Streamingplattformen und Sender zu verpflichtenden Investitionen in deutsche Produktionen anhalten soll.
Dieses Vorhaben stößt allerdings auf breiten Widerstand – nicht nur bei privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern, sondern auch bei internationalen Streaminganbietern und Branchenverbänden. Zudem ist unklar, ob ein solcher Zwang nach EU-Recht überhaupt rechtssicher wäre. Das absehbar lange Gesetzgebungsverfahren könnte die Branche monatelang ausbremsen.
Existenzen bedroht
Schon jetzt spüren Produktionsfirmen und Dienstleister die Folgen: Dreharbeiten werden ins Ausland verlegt, Studios und Postproduktionshäuser kämpfen mit sinkenden Aufträgen. Laut einer Studie der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ging die Zahl der Beschäftigten 2024 erstmals seit der Pandemie wieder zurück – um 4,1 Prozent insgesamt, in der Postproduktion sogar um 9,1 Prozent.
„Wenn die zugesagten Gelder nicht fließen, verlieren wir Fachkräfte und Wettbewerbsfähigkeit“, warnt Rohnke. Betroffen seien vor allem VFX-Studios, Rentalunternehmen, Kostümhäuser und andere technische Gewerke.
VTFF fordert klares Signal
Der Verband appelliert daher an die Bundesregierung, die 250 Millionen Euro ab Januar 2026 ohne Vorbehalte auszuzahlen. Nur so lasse sich das Vertrauen in den Produktionsstandort Deutschland wiederherstellen. Rohnke fordert die Politik auf, die Filmförderung zur Chefsache zu machen: „First things first – wir brauchen Planungssicherheit, bevor noch mehr Produktionen abwandern.“
