Die Toronto International Film Festival (TIFF) 2025 nähert sich der Halbzeit – und es zeigt sich, dass der Event weniger als Kaufrausch, sondern vielmehr als Gradmesser für die Zukunft des Independent-Kinos fungiert. Während das Volumen an Deals überschaubar bleibt, sorgte das Festival bereits für Schlagzeilen: Ein Horrorfilm der Midnight Madness-Sektion löste ein Bietergefecht von 15 Millionen Dollar aus, Gus Van Sants Dead Man’s Wire ging für siebenstellige Summen an einen neuen US-Distributor, und zwei frische Anbieter setzen nun auf eigene Kinostarts.

Horror und neue Vertriebstrategien im Fokus

Horrorfilme bleiben die verlässlichste Einnahmequelle im Independent-Bereich. Am TIFF machte vor allem der Neueinsteiger Row K Entertainment Schlagzeilen, indem er die US- und Kanada-Rechte an Dead Man’s Wire sicherte. Gleichzeitig setzt Black Bear auf Eigenvertrieb: Das Biopic Christy, das Black Bear selbst produzierte und finanzierte, wird im November in die Kinos kommen und markiert den Auftakt der neu gegründeten US-Vertriebsaktivität.

Die Bewegungen dieser beiden Firmen zeigen, dass sich die Post-Lockdown-Landschaft langsam verschiebt. Auch wenn noch kein „Blockbuster-Deal“ die Festivalstimmung angeheizt hat, zeigen diese frühen Schritte, dass auf lange Sicht strategisch angelegte Kinoschienen, vor allem in kommerziell stabilen Genres, Chancen bieten.

Vorsicht bei Käufen: Käufer prüfen genau

Selbst große Player wie Neon, A24, Sony Pictures Classics oder Focus Features zögern, ihre Kinoslots zu füllen. Die drastisch gesunkenen Pay-1- und Pay-2-Gebühren bei Streamingplattformen zwingen Verleiher, jeden Erwerb genau auf Rentabilität zu prüfen. Ein Film muss daher sowohl im Kino als auch später digital eine klare Einnahmechance bieten. Zu den Titeln, die besonders Aufmerksamkeit erzeugen, zählen unter anderem The Testament of Ann Lee, Late Fame, Couture und California Schemin’.

Wer macht welche Deals?

Große Studios setzen weiter auf Prestige und dokumentarische Stoffe, häufig mit einer Verknüpfung zwischen Kino- und Streamingfenstern. Disney-Labels wie Searchlight Pictures und Nat Geo zeigen dies etwa mit Werner Herzogs Ghost Elephants oder Chai Vasarhelyis Abenteuer-Dokumentation Lost in the Jungle.

Amazon MGM Studios kombiniert Kinos und Prime Video, Apple Studios setzt auf Awards-geeignete Dramen und Dokus, während neue Akteure wie Black Bear (Christy) und Row K (Dead Man’s Wire) eigene Wege im US-Kino suchen. Auch klassische Verleiher wie Focus Features, Lionsgate oder IFC experimentieren weiterhin mit Genrefilmen, Biopics oder Arthouse-Stoffen.

Was TIFF 2025 für die Branche bedeutet

Das Festival zeigt, dass die Branche in einem vorsichtigen, aber strategischen Modus operiert. Horrorfilme bleiben die sicherste Bank, neue Vertriebsunternehmen setzen auf langfristige Kino-Pipelines, und Käufer kalkulieren sehr genau. Für Branchenprofis heißt das: Auf Filme mit klarer Zielgruppe setzen, frühzeitig auf Festivals zuschlagen und die Entwicklungen am TIFF als Wegweiser für die kommenden Indie-Vertriebsstrategien beobachten.

FILMTAKE berichtet ausführlich.

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