Das 50. Toronto International Film Festival (TIFF) ist vorbei – und anstelle von hektischem Kaufrausch dominierte diesmal ein Gefühl von Neuausrichtung. Einzelne große Abschlüsse gab es zwar, doch insgesamt blieb das Deal-Volumen hinter früheren Jahren zurück.

Row K setzt auf große Würfe

Für die größte Überraschung sorgte der Newcomer Row K. Das erst vor wenigen Monaten gegründete Unternehmen erwarb den Actionthriller „Cliffhanger“ mit Pierce Brosnan und Lily James für einen kolportierten Achtstelligen Dollarbetrag – der bislang größte US-Deal des Festivals. Schon frühere Käufe wie „Dead Man’s Wire“ zeigen, dass Row K konsequent auf publikumsstarke Kinotitel setzt und dank starker Finanzierungsspielräume groß denkt. Ob sich das hohe Tempo halten lässt, bleibt abzuwarten.

Magnolia und Focus Features: Genre als Sicherheitsnetz

Einen Gegenpol bildet Magnolia, die sich den Thriller „Normal“ von Regisseur Ben Wheatley mit Bob Odenkirk sicherte. Mittleres Budget, klare Genrezugänge, bekannte Gesichter – ein Konzept, das in unsicheren Zeiten als verlässlicher gilt. Ähnlich überraschend griff Focus Features bei dem Horrorfilm „Obsession“ zu, obwohl das Studio sonst eher für Prestigeproduktionen bekannt ist. Das unterstreicht den wachsenden ökonomischen Reiz von Horror und Thrillern.

Warum so wenige Abschlüsse?

Mehrere Faktoren bremsten den Dealfluss:

  • Vollgepackte Verleihpläne: Viele Käufer kamen bereits mit fertigen Startlisten.

  • Neue Streaming-Realitäten: Sinkende Lizenzgebühren senken die Risikobereitschaft.

  • Wenige echte Weltpremieren: Viele Favoriten waren schon in Venedig, Cannes oder Telluride zu sehen.

  • Langsame Vertragsprozesse: Selbst bei grundsätzlicher Einigung dauern rechtliche Prüfungen länger.

TIFF fungiert damit zunehmend als Stimmungsbarometer und weniger als Marktplatz, auf dem sofort abgeschlossen wird.

Festival bleibt wichtig – als Bühne

Trotzdem behält Toronto Gewicht: Publikumsfavoriten wie „Hamnet“, Gewinner des renommierten People’s Choice Awards, erhalten hier entscheidenden Awards-Buzz. Das Festival bleibt somit ein zentraler Verstärker für Filme, die bereits andernorts Schlagzeilen gemacht haben.

Ausblick: Disziplin statt Masse

Für die kommenden Jahre zeichnen sich klare Trends ab:

  • Slates statt Einzelkäufe: Durchdachte Filmreihen bieten Stabilität.

  • Genre mit klarer Zielgruppe: Horror, Thriller und Action bleiben berechenbar.

  • Fertige Pakete: Marketingmaterial und Rechteklärung müssen beim Kauf stehen.

  • Neue Marktformate: TIFF plant für 2026 ein erweitertes „Market“-Programm, um Film, Serien und immersive Formate stärker zu verbinden.

Fazit:
Der Filmvertrieb verabschiedet sich von der alten Ära der Massenakquisitionen. Erfolg verspricht künftig nicht die größte Schlagzeile, sondern Datenanalyse, sorgfältige Auswahl und ein klarer Blick auf nachgelagerte Erlöse. Wer sich anpasst, kann in diesem strengeren Markt bestehen – wer am alten Modell festhält, wird es schwer haben.

FILMTAKE berichtet ausführlich.

Bild: © Paxabay