Die aktuelle Herbstumfrage der Produktionsallianz zeigt ein alarmierendes Bild: Steigende Kosten, sinkende Budgets und schwindende Gewinne treiben die deutsche Filmwirtschaft tief in die Krise. Der Standort steht vor grundlegenden Entscheidungen.
Die wirtschaftliche Situation der deutschen Film- und TV-Produktion bleibt angespannt – und verschärft sich nach Erkenntnissen der Produktionsallianz sogar weiter. Das geht aus der aktuellen Herbstumfrage unter rund 370 Mitgliedsunternehmen hervor. Die Stimmung in der Branche sei schlechter denn je, strukturelle Probleme verfestigten sich, und der Filmstandort Deutschland stehe „an einem Punkt, an dem politische Entscheidungen über die Zukunftsfähigkeit mitentscheiden“, so der Tenor.
Branchenstimmung kippt weiter
85 Prozent der befragten Produktionsfirmen bewerten die wirtschaftliche Lage der Filmwirtschaft als schlecht oder sehr schlecht. Noch 2024 lag dieser Wert bei 77 Prozent, 2022 bei 56 Prozent. Auch der Blick nach vorn bleibt pessimistisch: Drei Viertel der Unternehmen rechnen damit, dass sich die Situation 2026 weiter verschlechtern wird.
Als größte Belastungsfaktoren nennen die Produzenten sinkende Budgets (93 %), steigende Kosten (92 %), langwierige Entscheidungsprozesse der Auftraggeber (86 %) und zurückgehende Auftragsvolumina (80 %). Zudem klagen 72 % über zunehmende Bürokratie – ein Dauerärgernis der Branche.
„Das grenzt an Selbstausbeutung“
Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz, macht in ihrer Bewertung der Ergebnisse deutlich, wie dramatisch die Lage ist: Die Kombination aus Kostensteigerungen, Budgetkürzungen und Auftragsrückgang führe besonders bei kleinen und mittelständischen Firmen zu hochgradig prekären Arbeitsbedingungen. Produzieren im Grenzbereich sei inzwischen Normalität. Laut Müntefering ist die Situation keine temporäre Schwächephase mehr, sondern ein strukturelles Problem, das politisches Handeln zwingend erforderlich mache.
Gewinnschwund auf breiter Front
Die wirtschaftlichen Kennzahlen belegen diese Einschätzung: Die Unternehmensgewinne, in den Vorjahren bereits niedrig, sind weiter eingebrochen. Der Median liegt mittlerweile bei nur noch 0 bis 2,5 Prozent Gewinn vor Steuern – ein Niveau, das aus Sicht der Produktionsallianz kaum noch Raum für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung lässt.
Besonders hart trifft es den Fiction-Bereich. Ein Drittel der Fiction-Produzenten schreibt aktuell rote Zahlen, ein weiteres Drittel operiert mit Margen von maximal 2,5 Prozent. Damit rückt laut Umfrage eine Marktstruktur in den Fokus, in der langfristig vor allem größere Produktionshäuser überleben könnten.
Umsatzrückgänge bei der Hälfte der Unternehmen
Rund die Hälfte der Unternehmen verzeichnet sinkende Umsätze – im Fiction-Segment stärker als im Non-Fiction-Bereich. Die Schere zwischen wachsenden Produktionskosten und schrumpfenden Erlösen öffnet sich weiter und bedroht laut Umfrage zunehmend die wirtschaftliche Basis vieler Firmen – unabhängige Größe oder Genre.
Struktureller Reformbedarf
Die Produktionsallianz sieht den Filmstandort Deutschland daher an einem kritischen Punkt. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen, etwa zur Stärkung der Filmförderung oder zur Beschleunigung von Entscheidungswegen, müssten dringend umgesetzt werden, um die Zukunft des Produktionsstandorts nicht zu gefährden.
