Kurz vor den entscheidenden Beratungen über die Filmförderreform erhöhen Branchenverbände den Druck auf die Politik. Während PROG vor unverbindlichen Selbstverpflichtungen warnt, legt die Initiative Fair Film alarmierende Zahlen zur wirtschaftlichen Lage der Filmschaffenden vor – und fordert eine klare gesetzliche Investitionsverpflichtung.
Kurz vor der geplanten Sitzung des Koalitionsausschusses zur zukünftigen Ausgestaltung der deutschen Filmförderung haben mehrere Branchenverbände ihre Positionen bekräftigt und Kritik an den aktuellen politischen Überlegungen geäußert.
PROG warnt vor Selbstverpflichtungen
In einer Pressemitteilung vom 10. Dezember 2025 bewertet PROG – Producers of Germany – die derzeit im politischen Raum diskutierten Selbstverpflichtungen internationaler Plattformen als unzureichend.
Anlass ist die Ankündigung, im Rahmen der Reform könnten „Summen in Milliardenhöhe“ aus Investitionen globaler Konzerne in die deutsche Filmproduktion fließen. PROG bezweifelt jedoch, dass solche Selbstverpflichtungen zusätzliche Mittel generieren würden.
Vorstandsmitglied Marcel Lenz bezeichnete das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen als „Bankrotterklärung für den Filmstandort Deutschland“. Nach Einschätzung des Verbands sei unklar, in welcher Höhe sich Plattformen tatsächlich verpflichten würden und wie eine Überprüfung erfolgen könnte. Nur ein gesetzlicher Rahmen könne Transparenz und Kontrolle gewährleisten.
Bereits zuvor hatten mehr als 40 Verbände unter dem Titel „Investitionsverpflichtung: Gesetz statt Ausverkauf“ eine verbindliche gesetzliche Lösung gefordert.
IFF sieht Filmstandort in kritischem Zustand
Parallel äußerte sich die Initiative Fair Film (IFF) in einem Appell an Kulturstaatsministerin sowie Bundesfinanzminister. Die Initiative, ein Zusammenschluss von 30 Berufsverbänden, warnt vor einer anhaltenden Talfahrt des deutschen Films und verweist auf die Ergebnisse einer eigenen Umfrage.
Demnach verzeichnet nahezu die Hälfte der befragten Filmschaffenden Einkommenseinbußen von mehr als 20 Prozent in den Jahren 2024/2025. Zudem habe sich die Zahl durchgehend arbeitssuchender Angestellter in der Branche innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht. Rund 30 Prozent der Filmschaffenden mit eigenen Angestellten befürchten eine bevorstehende Insolvenz, während etwa ein Fünftel bereits in anderen Tätigkeiten arbeitet oder einen Wechsel vorbereitet.
Nach Einschätzung der IFF verliert der Filmstandort dadurch an Substanz und Fachwissen. Die Initiative fordert ein Festhalten am vorgesehenen Drei-Säulen-Modell, bestehend aus der FFG-Reform, einem Steueranreiz sowie einer gesetzlichen Investitionsverpflichtung.
Quellen:
Initiative Fair Film – „Existenzkrise im deutschen Film: IFF fordert gesetzliche Investitionsverpflichtung zur Standortsicherung
PROG – Producers of Germany – Selbstverpflichtung für Investitionen in den Filmstandort Deutschland sind eine Bankrotterklärung
