Beim Green Tech Day des Verband der Technischen Betriebe für Film und Fernsehen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Branche über den geplanten Investitionspakt und die Zukunft ökologischer Standards. Während die Initiative als Signal für den Produktionsstandort Deutschland gewertet wird, mahnen Unternehmen angesichts wirtschaftlicher Engpässe eine schnelle und praktikable Umsetzung an.
Beim diesjährigen Green Tech Day (GTD) des Verband der Technischen Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) ist am Rande der Internationale Filmfestspiele Berlin die Zukunft des Film- und Fernsehstandorts Deutschland in den Mittelpunkt gerückt. Rund 260 Branchenvertreterinnen und -vertreter verfolgten in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zwei Panels zu Investitionsanreizen und nachhaltigen Produktionsstandards.
Investitionspakt als Signal für den Markt
Zum Auftakt begrüßte VTFF-Geschäftsführer Achim Rohnke den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Weimer gilt als treibende Kraft hinter dem geplanten Investitionspakt, der Streamingdienste und Sender künftig zu verbindlichen Investitionen in den Produktionsstandort Deutschland verpflichten soll. Der Pakt liegt bislang in Eckpunkten vor und muss noch vom Bundeskabinett beschlossen werden.
Weimer verwies auf erste Effekte der angekündigten Maßnahmen. Durch die Anhebung der Förderquote auf 30 Prozent seien die Antragszahlen bei der Filmförderung um bis zu 35 Prozent gestiegen. Mit einer Verabschiedung eines Investitionsverpflichtungsgesetzes, das Öffnungsklauseln für individuelle Branchenvereinbarungen enthalten soll, rechnet er im Herbst. Die zugesagten 250 Millionen Euro Fördermittel, von denen ein Teil zwischenzeitlich blockiert war, sollen vollständig freigegeben und langfristig gesichert werden.
Rohnke verwies in diesem Zusammenhang auf die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Produktions- und Dienstleistungsunternehmen. Entscheidend sei eine kontinuierliche Produktionstätigkeit, damit Investitionen in neue Technologien refinanziert werden könnten.
Branche fordert schnelle und praktikable Umsetzung
Im anschließenden Panel unter der Überschrift „Wieder im Rennen – wird der Produktionsstandort Deutschland im europäischen Wettbewerb aufschließen?“ bewerteten die Diskutierenden den Investitionspakt überwiegend als positives Signal.
Jörg Bachmaier, Vorstandsvorsitzender von Studio Babelsberg, sprach von einem Ende der „Hängepartie“ und mahnte zügiges Handeln an. Entscheidend sei nun die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes.
Inga Moser von Filseck, Head of Media Policy beim Streaminganbieter Amazon, äußerte sich zurückhaltender. Künftige Regelungen müssten wirtschaftlich tragfähige Modelle für alle Beteiligten ermöglichen.
Auch Filmförderungsanstalt (FFA) stellte Anpassungen in Aussicht. Die stellvertretende Fördervorständin Jolinde Sawahn kündigte eine Vereinfachung historisch gewachsener Förderrichtlinien an. Gleichzeitig warb sie für branchenübergreifende Initiative bei der Ausgestaltung künftiger Vereinbarungen.
Michael Polle von Polle Hofmann Pictures betonte die Notwendigkeit, die Förderinstrumente DFFF und GMPF rasch wettbewerbsfähig zu machen. Sven Pannicke, Managing Director des VFX-Studios RISE, verwies auf die wirtschaftlich angespannte Lage vieler technisch-kreativer Dienstleister und plädierte für eine Übergangslösung bis zur endgültigen Gesetzesverabschiedung.
Einigkeit herrschte darüber, dass die Stärkung des Standorts eine gemeinsame Aufgabe sei. Thomas Schreiber von Degeto Film forderte eine enge Abstimmung innerhalb der Branche. Helge Albers von Moin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein verwies darauf, dass die Phase der Unsicherheit beendet werden müsse.
Fortschritte bei Green Shooting – Ruf nach europäischer Harmonisierung
Im zweiten Panel „Grenzenlos grün? Nachhaltigkeit bei internationalen Koproduktionen“ diskutierten Fachleute aus mehreren europäischen Ländern über ökologische Standards in der Filmproduktion. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Green Shooting.
Carl Bergengruen, Leiter des Arbeitskreises, zog eine positive Zwischenbilanz der seit 2022 in Deutschland geltenden ökologischen Standards. Maßnahmen wie die Reduktion von Flugreisen, der Verzicht auf Einweggeschirr und Dieselgeneratoren sowie der Einsatz von Ökostrom hätten die CO₂-Emissionen in unterschiedlichen Produktionsformaten deutlich gesenkt.
International stoßen die deutschen Standards auf Resonanz. Patrik Axén verwies auf die Einführung gemeinsamer nordischer Standards in Schweden, Dänemark, Island, Norwegen und Finnland zu Jahresbeginn. Eine europäische Harmonisierung gilt aus Sicht vieler Beteiligter als mittelfristiges Ziel.
Alissa Aubenque von Ecoprod machte auf unterschiedliche Regelwerke in Frankreich aufmerksam und sprach sich für eine stärkere Angleichung sowie gegenseitige Anerkennung nationaler Standards aus. Auch Nina Hauser vom Österreichischen Filminstitut plädierte für mehr strategische Kooperation auf europäischer Ebene.
Aus der Praxis berichtete Melina Grahovac, Green Consultant der internationalen Koproduktion „Keep Her Quiet“, von den Herausforderungen bei Dreharbeiten in mehreren Ländern mit jeweils unterschiedlichen Vorgaben. Ein einheitlicher europäischer Standard würde aus Produktionssicht erhebliche Vereinfachungen bringen.
Moderiert wurde die Diskussion von Philip Gassmann, Professor an der Hochschule für Fernsehen und Film München.
Der Green Tech Day machte damit deutlich, dass sowohl die finanzielle als auch die ökologische Ausrichtung des Produktionsstandorts Deutschland derzeit in einer Phase grundlegender Weichenstellungen steht – mit Erwartungen an eine rasche politische Umsetzung und eine stärkere europäische Abstimmung.
