Das Bundeskartellamt hat die Gründung eines Joint Ventures zwischen der Banijay Group und All3Media ohne Auflagen freigegeben. Damit können zwei der größten internationalen Produktionsgruppen ihre Aktivitäten im Bereich audiovisueller Inhalte bündeln und ein neues Produktions-Powerhouse formen.

Die Entscheidung wurde am 2. Juni 2026 veröffentlicht und betrifft die gemeinsame Kontrolle über ein Unternehmen, das künftig als einer der volumenmäßig größten Produzenten von TV-Content für Dritte gelten dürfte. In Deutschland sind beide Gruppen bereits stark im Markt verankert.

Keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken

Nach Einschätzung des Bundeskartellamts führt der Zusammenschluss nicht zu einer kritischen Marktverengung. Zwar entstehe ein sehr großer Akteur im Produktionsmarkt, jedoch sei die Wettbewerbsstruktur weiterhin ausreichend vielfältig.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt verwies insbesondere darauf, dass den Produktionsunternehmen in Deutschland nur wenige große Nachfrager gegenüberstehen – darunter RTL, ProSiebenSat.1 sowie ARD und ZDF. Diese Sendergruppen seien zudem teilweise selbst in der Produktion von Inhalten aktiv und somit nicht ausschließlich auf externe Anbieter angewiesen.

Unterschiedliche Marktpositionen der Partner

In der Analyse der Behörde spielt auch die unterschiedliche Ausrichtung der beiden Unternehmen eine Rolle. Während Banijay besonders stark im Bereich der Primetime-Formate positioniert ist, liegt der Schwerpunkt von All3Media eher auf Vorabend- und Tagesprogrammen.

Diese komplementäre Struktur trage dazu bei, dass keine übermäßige Marktmacht im gleichen Segment entstehe, so die Einschätzung des Kartellamts.

Starke Produktionslandschaft in Deutschland

Der deutsche Markt bleibt trotz der Fusion stark fragmentiert. Neben den großen Sendergruppen produzieren zahlreiche unabhängige Unternehmen erfolgreich Inhalte für den Markt. Dazu zählen unter anderem ITV Studios, Seapoint Productions, Warner Bros. ITVP Germany, Leonine Studios und Constantin Entertainment.

Auch die deutschen Tochtergesellschaften der beiden Konzerne sind breit aufgestellt: Zu Banijay Germany gehören unter anderem EndemolShine Germany und Brainpool TV, die Formate wie „Wer wird Millionär?“, „TV total“ oder „The Masked Singer“ produzieren. All3Media ist unter anderem über Filmpool Entertainment in Deutschland aktiv, mit Formaten wie „Berlin – Tag & Nacht“ oder „Undercover Boss“.

Freigabe in der ersten Prüfphase

Das Bundeskartellamt konnte den Zusammenschluss bereits in der ersten Prüfphase genehmigen. Grundlage der Entscheidung waren frühere Sektoruntersuchungen im TV-Produktionsmarkt, aktuelle Marktdaten sowie Befragungen von Marktteilnehmern.

Auch internationale Prüfungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Das Vorhaben wurde bereits in Österreich freigegeben und in weiteren Jurisdiktionen angemeldet.

Einordnung

Mit der Freigabe entsteht ein neuer globaler Schwergewichtsproduzent im TV- und Streaming-Content-Markt. Gleichzeitig signalisiert die Entscheidung der Wettbewerbsbehörden, dass die Konsolidierung im Produktionssektor derzeit noch innerhalb akzeptabler Wettbewerbsgrenzen verläuft – trotz wachsender Marktmacht einzelner Studios.

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Bild: © Paxabay