ProSiebenSat.1 hat seine Zusammenarbeit mit Sony Pictures Entertainment Deutschland ausgebaut und sich im Rahmen eines umfassenden Content-Deals zahlreiche Film- und Serienrechte für seine Sender sowie die Streamingplattform Joyn gesichert. Dies geht aus einer Unternehmensmitteilung der Seven.One Entertainment Group hervor.
Nach Angaben des Unternehmens umfasst die Vereinbarung Erstausstrahlungsrechte im deutschsprachigen Raum an aktuellen Filmen aus dem Portfolio von Sony Pictures Entertainment. Zu den angekündigten Titeln zählen unter anderem „Nur ein einziges Mal – It Ends with Us“, „Karate Kid: Legends“, „Anaconda“, „Was ist Liebe wert – Materialists“ sowie „Die drei ??? und der Karpatenhund“. Die Produktionen sollen nach ihrer Auswertung im Home-Entertainment- und Pay-TV-Bereich ihre Free-TV-Premiere bei Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe feiern.
Darüber hinaus beinhaltet der Deal ein umfangreiches Paket von Katalogtiteln. Nach Unternehmensangaben wurden mehr als 100 Filme sowie acht Serien mit insgesamt rund 1.000 Episoden lizenziert. Dazu gehören unter anderem Filme aus den Reihen „Spider-Man“, „The Amazing Spider-Man“, „Spider-Man: Homecoming“, „Ghostbusters“, „Jumanji: Willkommen im Dschungel“, „Hancock“ und „Matilda“.
Im Serienbereich nennt das Unternehmen ausgewählte Staffeln von „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ sowie komplette Staffeln von „Eine schrecklich nette Familie“, „Bezaubernde Jeannie“, „Die Tudors“, „Verliebt in eine Hexe“, „Verrückt nach Dir“, „Pan Am“, „Unforgettable“ und „The Guardian – Retter mit Herz“.
Ein weiterer Bestandteil der Vereinbarung betrifft den Ausbau des Streamingangebots von Joyn. Unter der Marke „Sony One“ plant die Plattform die Einführung von fünf neuen FAST-Channels mit den Schwerpunkten Action, Comedy und Thriller. FAST-Channels (Free Ad-Supported Streaming Television) gelten als wachsender Bereich im werbefinanzierten Streamingmarkt und gewinnen auch im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung.
Zusätzlich sicherte sich ProSiebenSat.1 über Crunchyroll die Rechte an mehreren Anime-Serien, darunter „Hell’s Paradise“, „Kaiju No. 8“ und „Tokyo Revengers“, die bei Joyn+ sowie auf den Pay-TV-Angeboten der Gruppe verfügbar sein sollen.
Henrik Pabst, Chief Content Officer der ProSiebenSat.1-Gruppe, erklärte, die Partnerschaft stärke sowohl die linearen Sender als auch die Streamingplattform Joyn und ermögliche eine plattformübergreifende Verwertung der Inhalte.
Mehr als ein klassischer Lizenzdeal
Die Vereinbarung kann als weiteres Beispiel für die zunehmende Bedeutung plattformübergreifender Rechtepakete im europäischen Medienmarkt gesehen werden. Während Lizenzgeschäfte lange Zeit vor allem einzelne Auswertungsfenster wie Home Entertainment, Pay-TV oder Free-TV betrafen, umfassen aktuelle Vereinbarungen immer häufiger mehrere Verwertungsformen gleichzeitig.
Für ProSiebenSat.1 dürfte der strategische Wert des Deals nicht allein in den angekündigten Free-TV-Premieren liegen. Von besonderem Interesse könnte das umfangreiche Library-Paket sein, das sowohl die linearen Sender als auch die Streamingplattform Joyn mit zusätzlichen Inhalten versorgt. Katalogtitel gelten in der Branche als wichtiger Baustein für werbefinanzierte Streamingangebote, da sie langfristig verfügbar sind und auf bekannte Marken zurückgreifen können.
Bemerkenswert erscheint zudem die geplante Einführung von fünf FAST-Channels unter der Marke Sony One. Der Ausbau solcher werbefinanzierten Streamingkanäle wird von vielen Marktbeobachtern als wachsendes Geschäftsfeld angesehen. Für internationale Studios und Rechteinhaber könnten sie zusätzliche Möglichkeiten schaffen, bestehende Inhalte über weitere Distributionswege zu monetarisieren.
Auch die Einbindung von Anime-Serien deutet darauf hin, dass ProSiebenSat.1 unterschiedliche Zielgruppen stärker adressieren möchte. Anime hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischensegment zu einem relevanten Bestandteil des internationalen Lizenzgeschäfts entwickelt und gewinnt auch bei deutschen Anbietern an Bedeutung.
Insgesamt spricht die Vereinbarung für den anhaltenden Trend, Inhalte nicht mehr isoliert für einzelne Plattformen zu lizenzieren, sondern über mehrere Auswertungsformen hinweg zu bündeln. Der Wettbewerb zwischen Medienhäusern und Streamingplattformen wird dabei zunehmend von der Verfügbarkeit attraktiver Rechtepakete und Katalogbestände geprägt.
Finanzielle Details der Vereinbarung wurden nicht veröffentlicht.
