Auch nach dem Rückzug von Banijay bleibt das US-Studio Lionsgate ein attraktives Übernahmeziel für europäische Medienunternehmen. Während Banijay-CEO François Riahi Ende Juli erklärte, dass sich der Konzern zunächst auf die Integration jüngster Zukäufe und den Schuldenabbau konzentriere, gelten weiterhin die Bolloré-Gruppe mit Canal+ sowie die französische Produktionsgruppe Mediawan als potenzielle Interessenten.

Der mögliche Verkauf von Lionsgate verdeutlicht einen grundlegenden Trend der internationalen Medienbranche: Im Mittelpunkt stehen längst nicht mehr nur Filmstudios oder Produktionskapazitäten, sondern vor allem die Rechte an bekannten Marken und umfangreichen Film- und Serienbibliotheken.

Bibliotheken werden zum strategischen Vermögenswert

Lionsgate verfügt über ein breites Portfolio erfolgreicher Marken wie John Wick, Die Tribute von Panem, Saw und Twilight sowie über eine umfangreiche Film- und Fernsehbibliothek. Hinzu kommen eine internationale Vertriebsstruktur und Produktionskapazitäten für Film- und Serienprojekte.

Für potenzielle Käufer liegt der eigentliche Wert vor allem in den vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten dieser Inhalte. Rechte können über Kino, Fernsehen, Streamingdienste sowie internationale Lizenzgeschäfte über viele Jahre hinweg immer wieder monetarisiert werden. Je nach Markt und Plattform lassen sich unterschiedliche Lizenzmodelle und Auswertungsfenster nutzen.

Aktueller Lizenzdeal unterstreicht den Wert der Rechte

Wie wertvoll solche Bibliotheken sein können, zeigt ein aktueller Lizenzvertrag rund um das Serienuniversum Power. Lionsgate Television hat internationale Streamingrechte an mehreren Serien der Franchise an Netflix vergeben, während einzelne Rechte in den USA oder anderen Territorien weiterhin bei bestehenden Partnern verbleiben.

Das Beispiel verdeutlicht, dass der wirtschaftliche Wert einer Bibliothek nicht allein von der Anzahl der Titel abhängt. Entscheidend ist vielmehr, welche Rechte verfügbar sind und wie sie über verschiedene Märkte, Plattformen und Zeiträume hinweg vermarktet werden können.

Europäische Konsolidierung geht weiter

Ein möglicher Einstieg europäischer Medienunternehmen würde sich in den anhaltenden Konsolidierungstrend der Branche einfügen. Während Canal+ seine internationale Präsenz weiter ausbauen könnte, würde Mediawan mit Lionsgate neben seiner wachsenden Produktionsbasis auch Zugang zu einer etablierten Studiostruktur, internationalem Vertrieb und bekannten Film- und Serienmarken erhalten.

Ob es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Wert von Film- und Serienrechten entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor bei Transaktionen in der internationalen Medienbranche.

FilmTake berichtet ausführlich.

 
Bild: © Unsplash