Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount hat in den vergangenen Tagen wichtige Fortschritte gemacht – gleichzeitig bleibt der Ausgang des Verfahrens in den USA entscheidend für den Abschluss der milliardenschweren Transaktion. Während Großbritannien die Fusion nach verbindlichen Zusagen genehmigte, wächst in der Film- und Kinobranche die Unterstützung für den Zusammenschluss. In den USA verzögert sich das Verfahren hingegen bis ins Frühjahr 2027.
Prozessbeginn erst im März 2027
Das zuständige US-Bezirksgericht in Oakland hat den Kartellprozess gegen die Übernahme auf den 2. bis 19. März 2027 terminiert. Damit folgte das Gericht weitgehend den Forderungen der klagenden zwölf US-Bundesstaaten und der Writers Guild of America (WGA), während Paramount einen deutlich früheren Verhandlungsbeginn im November 2026 angestrebt hatte.
Die Verzögerung hat erhebliche wirtschaftliche Folgen. Nach den Vereinbarungen des Übernahmevertrags fallen ab dem 1. Oktober 2026 tägliche Zahlungen in Höhe von rund sieben Millionen US-Dollar an, solange die Transaktion nicht abgeschlossen werden kann. Zudem könnten in einzelnen Ländern erneute kartellrechtliche Anmeldungen erforderlich werden, falls bestehende Genehmigungen auslaufen.
Großbritannien genehmigt die Fusion
Eine wichtige regulatorische Hürde wurde dagegen im Vereinigten Königreich genommen. Die britische Regierung verzichtete nach rechtlich bindenden Zusagen von Paramount auf eine vertiefte Prüfung der Übernahme.
Paramount verpflichtete sich unter anderem, die redaktionelle Unabhängigkeit seiner linearen und On-Demand-Angebote im Vereinigten Königreich zu sichern. Zudem sollen die Nachrichten von Channel 5 organisatorisch von CNN International und CBS News getrennt bleiben. Auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA kam zu dem Schluss, dass die Fusion den Wettbewerb im Filmvertrieb, bei Kinderfernsehkanälen und im Streamingmarkt nicht erheblich beeinträchtigen werde.
Ellison verteidigt den Zusammenschluss
Parallel dazu meldete sich Paramount-CEO David Ellison erstmals öffentlich zu den laufenden Kartellklagen zu Wort. In einem Gastbeitrag für die New York Times wies er den Vorwurf zurück, die geplante Fusion gefährde die journalistische Unabhängigkeit von CNN.
Ellison betonte, dass sowohl CNN als auch CBS News auch künftig unabhängig arbeiten würden. Zugleich argumentierte er, dass die Kritik an der Transaktion weniger auf wettbewerbsrechtlichen Bedenken als auf der Frage beruhe, ob ihm als künftigem Eigentümer des Nachrichtensenders vertraut werde.
Starke Quartalszahlen stärken Paramount
Rückenwind erhielt Paramount zudem durch die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026. Nach Unternehmensangaben verzeichnete Paramount+ das erfolgreichste Quartal seiner Geschichte. Die Zahl der Abonnenten stieg auf 81,6 Millionen, während die Werbeerlöse um 30 Prozent zulegten.
Zu den Wachstumstreibern zählten unter anderem das erfolgreiche „Yellowstone“-Spin-off „Dutton Ranch“, UFC-Übertragungen sowie die Fußball-Weltmeisterschaft in Lateinamerika. Auch die Studiosparte kehrte in die Gewinnzone zurück.
In seinem Aktionärsbrief zeigte sich Ellison trotz der laufenden Verfahren überzeugt, dass die Übernahme abgeschlossen werde. Er verwies darauf, dass zahlreiche Wettbewerbsbehörden weltweit die Transaktion bereits genehmigt oder keine Einwände erhoben hätten.
Unterstützung aus der Kinobranche wächst
Während sich der Rechtsstreit fortsetzt, erhält Paramount zunehmend Rückendeckung aus der internationalen Kinobranche.
Nach AMC und Regal Cineworld sprach sich auch Vue Entertainment für einen schnellen Abschluss der Fusion aus. Vue-CEO Tim Richards erklärte, die Branche benötige Planungssicherheit und sollte bei diesem Thema „mit einer Stimme sprechen“.
Zuvor hatte Regal-Chef Eduardo Acuna erklärt, Paramount habe verbindliche Zusagen in Aussicht gestellt. Dazu gehören mindestens 30 Kinostarts pro Jahr, ein exklusives Kinofenster von 45 Tagen vor dem digitalen Verleih sowie mindestens 90 Tage bis zur Veröffentlichung im Streaming. Außerdem soll jährlich ein Content-Budget von mindestens 30 Milliarden US-Dollar garantiert werden.
Auch Lionsgate stellte sich inzwischen hinter die Transaktion. CEO Jon Feltheimer bezeichnete die anhaltende Unsicherheit als belastend für die gesamte Branche und sprach sich für einen zügigen Abschluss des Verfahrens aus.
Entscheidung fällt in den USA
Trotz der Genehmigung in Großbritannien bleibt das Kartellverfahren in den USA die entscheidende Hürde für die geplante Fusion. Erst der Prozess im Frühjahr 2027 dürfte Klarheit darüber schaffen, ob Paramount Warner Bros. Discovery tatsächlich übernehmen kann.
Bis dahin steht das Unternehmen nicht nur unter erheblichem regulatorischem Druck, sondern muss aufgrund der vertraglich vereinbarten Verzugszahlungen auch hohe zusätzliche Kosten in Kauf nehmen.
Quelle: Paramount Global – Q2 2026 Financial Results, UK Department for Culture, Media and Sport, Competition and Markets Authority sowie öffentliche Stellungnahmen von Regal Cineworld, Vue Entertainment und Lionsgate. Ergänzend: Variety, Deadline, Reuters.
