Die wirtschaftliche Filmförderung des Bundes stößt 2026 angesichts einer außergewöhnlich hohen Nachfrage an ihre Grenzen. Die Filmförderungsanstalt (FFA) hat deshalb die Anforderungen für Anträge auf Mittel aus dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) und dem German Motion Picture Fund (GMPF) angepasst. Gleichzeitig warnen mehrere Branchenverbände vor den Folgen für die Planungssicherheit der deutschen Filmwirtschaft.
Nach Angaben der FFA wurden 2026 bislang bereits 151 Millionen Euro für 103 Projekte bewilligt. Weitere 111 Anträge befinden sich demnach in Bearbeitung. Für zusätzliche Anträge kann in diesem Jahr nur noch ein Fördervolumen von rund 30 Millionen Euro berücksichtigt werden. Die FFA begründet die Anpassungen mit der hohen Zahl an Anträgen und den begrenzten verbleibenden Mitteln.
Strengere Anforderungen für neue Anträge
Für Projekte mit Drehbeginn 2026 gelten inzwischen zusätzliche Voraussetzungen. Beim DFFF I muss unter anderem mindestens ein verbindlicher Letter of Commitment eines förderfähigen Verleihers vorliegen und mindestens 45 Prozent der Finanzierung durch verbindliche Nachweise gesichert sein. Beim DFFF II ist mindestens ein Deal Memo zur Beauftragung als Dienstleister erforderlich. Beim GMPF muss ein Vertrag über die Auswertung bei einem deutschen Mediendienstprogrammanbieter vorliegen.
Projekte mit Drehbeginn Ende 2026, die bislang noch keinen Antrag gestellt haben, können voraussichtlich erst 2027 eingereicht werden. Die Antragsannahme für Projekte mit Drehbeginn 2027 soll frühestens im November 2026 beginnen.
Branchenverbände warnen vor Folgen
Die Entwicklung hat deutliche Kritik aus der Filmwirtschaft ausgelöst. Produktionsallianz, AG DOK, Deutsche Filmakademie und PROG warnen gemeinsam vor einer zunehmenden Unsicherheit für Produzentinnen und Produzenten. Aus ihrer Sicht gefährden die Anpassungen die notwendige Planbarkeit von Investitionen und Produktionen.
Die Verbände verweisen zugleich auf die geplante Kürzung der Bundesmittel. Nachdem die Fördertöpfe 2026 auf insgesamt 250 Millionen Euro erhöht wurden, sollen für 2027 nach derzeitiger Planung wieder rund 200 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Branche befürchtet dadurch weitere Einschränkungen.
Die Produktionsallianz betont, Filmproduktionen seien langfristig geplant und könnten nicht ohne Weiteres verschoben werden. Die AG DOK warnt insbesondere vor Auswirkungen auf Kinodokumentarfilme und Dokumentarfilmserien. Die Deutsche Filmakademie sieht neben der wirtschaftlichen Basis von Produktionsunternehmen auch die Vielfalt des deutschen Films gefährdet. PROG kritisiert wiederum die aktuellen Marktbedingungen für deutsche Produzenten.
Forderung nach verlässlicherem Fördersystem
Auch der Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) fordert langfristige Planungssicherheit und eine Verstetigung der Fördermittel. Der Verband hatte bereits im Zusammenhang mit der Erhöhung der Fördermittel darauf hingewiesen, dass die jährliche Haushaltsbindung von DFFF und GMPF keine ausreichende langfristige Sicherheit für nationale und internationale Produktionen biete. Zugleich setzt sich der VTFF für ein nicht gedeckeltes steuerliches Anreizmodell ein.
Damit rückt erneut die grundsätzliche Frage nach der Ausgestaltung der deutschen Filmförderung in den Mittelpunkt. Die hohe Nachfrage zeigt einerseits, dass die verbesserten Förderkonditionen für Produzenten attraktiv sind. Andererseits führt die Begrenzung der verfügbaren Haushaltsmittel dazu, dass das System bei hoher Nachfrage schnell an seine finanziellen Grenzen stößt.
Investitionsverpflichtung noch nicht abgeschlossen
Parallel zur Diskussion über DFFF und GMPF läuft die Reform der deutschen Filmförderung weiter. Die Bundesregierung verfolgt unter anderem eine Investitionsverpflichtung für Mediendienste. Aus Sicht der Branchenverbände reicht die bisherige Reform jedoch nicht aus, solange ein langfristig wirkendes steuerliches Anreizmodell nicht umgesetzt ist.
Für die deutsche Filmwirtschaft steht damit nicht nur die Frage im Raum, wie viele Fördermittel 2026 noch vergeben werden können. Entscheidend ist auch, ob für Produzenten, Studios und internationale Auftraggeber dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
