Der Streit um die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance spitzt sich weiter zu. Während die zwölf klagenden US-Bundesstaaten um Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta weiterhin gegen die Transaktion vorgehen, wächst innerhalb der US-Filmbranche der Druck auf die Beteiligten, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Gleichzeitig zeigen unterschiedliche Positionen der Gewerkschaften und Kinobetreiber, wie gespalten die Branche inzwischen ist.

DGA und I.A.T.S.E. drängen auf eine Einigung

Für neue Bewegung sorgt ein gemeinsamer Vorstoß der Directors Guild of America (DGA) und der Bühnenarbeitergewerkschaft I.A.T.S.E. Die beiden Gewerkschaften fordern Bonta und Paramount-CEO David Ellison auf, eine außergerichtliche Einigung zu suchen oder zumindest deutlich früher Verhandlungen aufzunehmen. Sie begründen dies vor allem mit der anhaltenden Unsicherheit für Beschäftigte und Unternehmen.

Die Gewerkschaften betonen zugleich, dass sie Fusionen dieser Art grundsätzlich kritisch sehen. Die derzeitige Situation sei für eine ohnehin angeschlagene Film- und Fernsehbranche jedoch zusätzlich belastend. Nach Angaben von DGA und I.A.T.S.E. ist die weltweite Film- und Fernsehproduktion deutlich zurückgegangen, während Produktionen verschoben oder gestrichen würden.

Eine Zustimmung zur Fusion ohne Bedingungen fordern die Gewerkschaften allerdings nicht. Stattdessen schlagen sie einen umfangreichen Katalog rechtsverbindlicher und durchsetzbarer Zusagen vor. Dazu gehören unter anderem der Erhalt von Paramount und Warner als getrennte Studios mit eigenen Produktions-, Vertriebs- und Marketingstrukturen.

Außerdem sollen beide Studios jeweils mindestens 15 Kinofilme pro Jahr produzieren und vertreiben. Für diese Filme soll ein exklusives Kinofenster von mindestens 45 Tagen gelten, vorzugsweise 60 Tagen oder länger, bevor eine Auswertung über PVoD erfolgt. Bis zur SVoD-Auswertung sollen mindestens 120 Tage liegen. Weitere Forderungen betreffen die Produktion in den USA, die Lizenzierung von Inhalten sowie den Erhalt des Paramount-Hauptsitzes in Los Angeles.

Kinobetreiber unterstützen einen schnellen Abschluss

Damit stehen DGA und I.A.T.S.E. zwischen den Positionen verschiedener anderer Branchenteilnehmer. Große US-Kinoketten wie Regal und AMC haben sich für einen möglichst schnellen Vollzug der Übernahme ausgesprochen.

Paramount hat entsprechenden Berichten zufolge Vereinbarungen über mindestens 30 Kinostarts pro Jahr sowie Mindestfristen für die Kinoauswertung angeboten. Vorgesehen sind ein exklusives Kinofenster von mindestens 45 Tagen und mindestens 90 Tage bis zur Streaming-Auswertung.

Die Forderungen von DGA und I.A.T.S.E. gehen in Teilen darüber hinaus: Sie verlangen nicht nur eine bestimmte Zahl an Kinostarts, sondern insbesondere den Erhalt der beiden Studios als getrennte Einheiten und längere Schutzfristen für die Auswertung.

WGA bleibt bei Ablehnung der Fusion

Eine grundsätzlich andere Position vertritt die Writers Guild of America (WGA). Die Autorengewerkschaft unterstützt weiterhin das juristische Vorgehen gegen die Übernahme und fordert, die Transaktion zu verhindern.

Damit wird die Spaltung innerhalb der US-Filmbranche deutlich: Während einige Kinobetreiber einen schnellen Abschluss favorisieren und DGA sowie I.A.T.S.E. auf eine Einigung mit verbindlichen Schutzmaßnahmen drängen, lehnt die WGA die Fusion weiterhin grundsätzlich ab.

Bonta weist Kompromisssignale zurück

Auf Seiten der klagenden Bundesstaaten ist bislang keine Bereitschaft zu einer schnellen Einigung erkennbar. Bonta hat die Argumentation Paramounts öffentlich scharf zurückgewiesen. Aus seiner Sicht geht es im Verfahren nicht um einzelne Versprechen des Unternehmens, sondern um die langfristigen strukturellen Folgen einer Fusion für den Wettbewerb.

Die zwölf Bundesstaaten argumentieren, dass der Zusammenschluss zu einer erheblichen Marktkonzentration im Kinofilmvertrieb, bei Blockbuster-Filmen und im Kabelfernsehen führen würde. Die Klage gegen die rund 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme wurde im Juli eingereicht.

Paramount erhöht den Druck auf Kalifornien

Parallel verschärft Paramount den Ton. Laut Berichten von Puck, Variety und Deadline soll David Ellison seinen Führungskräften mitgeteilt haben, Paramount könne Kalifornien verlassen, falls Bonta keine Verhandlungen über eine Einigung aufnimmt.

Als möglicher Zeitpunkt für den Beginn eines solchen Rückzugs wird der 1. Oktober genannt. Als mögliche neue Standorte werden unter anderem Tennessee, Texas und Georgia genannt. Ellison soll einen schrittweisen Umzug über mehrere Jahre erwägen.

Ein tatsächlicher Wegzug wäre für den kalifornischen Filmstandort von erheblicher Bedeutung. Paramount gehört zu den traditionsreichsten Studios Hollywoods. Gleichzeitig würde ein solcher Schritt die ohnehin angespannte Situation für Beschäftigte und Produktionsdienstleister weiter verschärfen.

Entscheidung bleibt offen

Damit stehen sich derzeit mehrere Interessen gegenüber. Paramount will die Fusion möglichst schnell abschließen und verweist auf Zusagen gegenüber Kinos und mögliche Schutzmaßnahmen. Große Kinobetreiber unterstützen einen schnellen Abschluss. DGA und I.A.T.S.E. wollen ebenfalls eine schnelle Lösung, verlangen dafür aber umfangreiche rechtsverbindliche Zusagen.

Die WGA und die zwölf klagenden Bundesstaaten halten dagegen an ihrer grundsätzlichen Skepsis fest. Ob die unterschiedlichen Forderungen in einem Kompromiss zusammengeführt werden können, bleibt offen.

Für die internationale Filmwirtschaft ist der Ausgang des Verfahrens von erheblicher Bedeutung. Die Entscheidung könnte nicht nur die Eigentümerstruktur zweier großer Hollywood-Unternehmen verändern, sondern auch Fragen zu Kinofenstern, Produktionsvolumen, Beschäftigung und der Konzentration im internationalen Film- und Fernsehgeschäft neu definieren.

Quellen: DGA/I.A.T.S.E., Variety und Deadline

 
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