Die Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH hat den „Leitfaden Barrierefreie Filmfassung“ veröffentlicht. Die 73-seitige Publikation gibt einen Überblick über die Herstellung und Bereitstellung barrierefreier Filmfassungen und ordnet die Anforderungen in den Produktions- und Auswertungsprozess ein. Beteiligt waren unter anderem Fachleute und Vertreter von AVÜ e.V., DBSV, Hörfilmakademie, Hörfilm e.V., NDR, Seven.One, Weltkino Filmverleih und ZDF.

Für die Filmproduktion gewinnt das Thema insbesondere durch die Regelungen des novellierten Filmförderungsgesetzes (FFG) an Bedeutung. Der Leitfaden erläutert, welche Anforderungen bei geförderten Produktionen an barrierefreie Fassungen gestellt werden und wie diese über die verschiedenen Auswertungsstufen zugänglich gemacht werden sollen. Damit betrifft das Thema nicht nur die Postproduktion, sondern bereits die Planung und Kalkulation eines Projekts.

Ausdrücklich behandelt der Leitfaden die Kosten einer barrierefreien Filmfassung. Diese können bei FFA-Produktionsförderanträgen als eigener Posten innerhalb der Postproduktion berücksichtigt werden. Zu den genannten Arbeiten gehören unter anderem die Erstellung des Manuskripts, redaktionelle Abnahme, Sprecherhonorare, Sprachregie sowie technische Anpassungen für unterschiedliche Auswertungsfassungen. Für Produzenten wird damit insbesondere die frühzeitige Berücksichtigung der entsprechenden Leistungen in der Produktionskalkulation relevant.

Auch die Frage der Zuständigkeit wird im Leitfaden aufgegriffen. Dabei geht es unter anderem darum, wer die Herstellung veranlasst, wer die Kosten trägt und wie die barrierefreien Fassungen entlang der jeweiligen Auswertungswege bereitgestellt werden. Berücksichtigt werden Kino, Fernsehen, Mediatheken und Streamingplattformen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Der Leitfaden betrachtet unter anderem KI-gestützte Audiodeskription und Untertitelung. Dabei werden die technischen Möglichkeiten ebenso thematisiert wie die Notwendigkeit menschlicher Prüfung und Bearbeitung.

Für die Kinowirtschaft beschreibt die Publikation zudem verschiedene Möglichkeiten, wie Audiodeskription und Untertitel für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen zugänglich gemacht werden können. Neben klassischen Lösungen werden auch digitale Anwendungen wie die Greta-App berücksichtigt.

Der Leitfaden versteht sich damit als praktische Orientierung für Produzenten, Verleiher und weitere Marktteilnehmer, um Barrierefreiheit von der Produktionsplanung über die Finanzierung und Herstellung bis zur späteren Auswertung systematisch zu berücksichtigen.