Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat eine neue Debatte über die Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgelöst. Nach Teilnehmerberichten zu einer nicht öffentlichen Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung brachte er unter anderem eine Privatisierung des ZDF sowie eine weitere Reduzierung der ARD auf wenige Rundfunkanstalten ins Gespräch.
Die Reaktionen folgten umgehend. Die Bundesregierung verwies auf die Zuständigkeit der Länder für die Rundfunkordnung. Aus den Ländern und von Medienverbänden kam ebenfalls Kritik an Weimers Überlegungen. Der Deutsche Kulturrat sprach sich ausdrücklich gegen eine Privatisierung des ZDF und die Auflösung kleinerer ARD-Anstalten aus.
Parallel zur Debatte rückte die wirtschaftliche Bedeutung des ZDF für die Produktionsbranche in den Fokus. Beim zwölften „Tag der Produzentinnen und Produzenten“ am 17. September kamen rund 450 Branchenvertreterinnen und -vertreter in Mainz zusammen. Nach Angaben des Senders vergibt das ZDF jährlich Aufträge im Umfang von mehr als 800 Millionen Euro an die Kreativwirtschaft und bezeichnet sich als größten Einzelauftraggeber der deutschen Film- und Fernsehbranche. Thematisiert wurden unter anderem die wirtschaftliche Situation der Produktionsunternehmen sowie Auftrags- und Koproduktionen.
Welche Folgen eine grundlegende Veränderung der öffentlich-rechtlichen Strukturen für den Produktionsmarkt hätte, ist derzeit offen. Weimers Überlegungen haben bislang keinen konkreten Reformprozess ausgelöst. Der jüngst von den Ländern beschlossene Reformstaatsvertrag sieht bereits einen Abbau von Doppelstrukturen und eine stärkere Zusammenarbeit von ARD, ZDF und Deutschlandradio vor.
