FFA-Studie zeigt: Großes Kinopotenzial trotz rückläufiger Reichweite. Viele Menschen bleiben dem Kino fern – doch ein großer Teil ist weiterhin erreichbar

Das Kino steht in Deutschland weiterhin vor einer zentralen Herausforderung: Viele Menschen besuchen keine Lichtspielhäuser mehr. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie der Filmförderungsanstalt (FFA), dass das Publikum keineswegs verloren ist. Ein erheblicher Teil der Nicht-Kinogänger steht dem Leinwanderlebnis grundsätzlich offen gegenüber – ein Potenzial, das die Branche aktiv nutzen kann.

Die FFA-Studie „Warum das Publikum dem Kino fernbleibt – Eine qualitative Untersuchung zu Hintergründen und Potenzialen“ untersucht die Gründe für die sinkende Kinonutzung und entwickelt daraus Handlungsempfehlungen für die Branche.

69 Prozent ohne Kinobesuch – aber nicht alle sind verloren

Die Ausgangslage ist herausfordernd: 2025 besuchten lediglich rund 31 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung ab zehn Jahren mindestens einmal ein Kino. Umgekehrt bedeutet das: 69 Prozent blieben dem Kino fern.

Die Studie zeigt jedoch, dass diese Gruppe differenziert betrachtet werden muss. Während ein Teil grundsätzlich kein Interesse am Kino hat, gibt es eine große Gruppe, die dem Kinobesuch weiterhin offen gegenübersteht. Rund 39 Prozent der Nicht-Besucher verfügen laut FFA über eine grundsätzliche Kinobereitschaft.

Besonders relevant ist diese Erkenntnis bei jüngeren Zielgruppen. Gerade bei den 20- bis 39-Jährigen, deren Kinoreichweite in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist, zeigt sich weiterhin ein hohes Interesse an der Leinwand. Die Herausforderung besteht daher weniger darin, neues Interesse zu erzeugen, sondern vorhandenes Interesse wieder zu aktivieren.

Streaming, Komfort und veränderte Gewohnheiten als größte Herausforderungen

Die Studie identifiziert mehrere gesellschaftliche Entwicklungen, die das Kino unter Druck setzen.

Eine zentrale Rolle spielt die zunehmende Dominanz digitaler Angebote. Streamingdienste ermöglichen jederzeitigen Zugriff auf Inhalte und haben die Erwartungen des Publikums verändert. Gleichzeitig ist das eigene Zuhause für viele Menschen stärker zum Ort der Unterhaltung geworden.

Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren: Ein Kinobesuch bedeutet nicht nur Ticketkosten, sondern auch Zeitaufwand und organisatorische Planung. In einer Zeit, in der viele Menschen bewusster mit ihrem Budget umgehen, muss der Mehrwert eines Kinobesuchs deutlicher erkennbar sein.

Weitere Herausforderungen sieht die FFA in der zunehmenden Fragmentierung der Aufmerksamkeit sowie in steigenden Erwartungen an besondere Erlebnisse.

Kino muss stärker als Erlebnis positioniert werden

Die Handlungsempfehlungen der Studie setzen weniger auf völlig neue Konzepte, sondern auf eine konsequente Weiterentwicklung bereits erfolgreicher Ansätze. Kino müsse stärker als gemeinschaftliches und emotionales Erlebnis verstanden werden, das sich von der heimischen Nutzung digitaler Inhalte unterscheidet.

Dazu gehören unter anderem eine stärkere Ansprache verschiedener Zielgruppen, attraktivere Events und eine bessere Kommunikation des besonderen Werts eines Kinobesuchs.

Die Studie macht deutlich: Die Zukunft des Kinos hängt nicht allein von einzelnen Blockbustern ab. Entscheidend wird sein, wie gut die Branche Menschen wieder für den gemeinsamen Filmabend außerhalb der eigenen vier Wände begeistern kann.

Fazit: Das Publikum ist nicht verschwunden

Die FFA-Analyse liefert eine wichtige Botschaft für die deutsche Filmwirtschaft: Das Kino hat weiterhin eine emotionale Bedeutung – aber es muss diese Bedeutung stärker sichtbar machen.

Die große Gruppe potenziell erreichbarer Nicht-Besucher zeigt, dass die Entwicklung nicht zwangsläufig in Richtung eines dauerhaften Reichweitenverlusts gehen muss. Für Kinos, Verleiher und Produzenten entsteht daraus eine klare Aufgabe: Das vorhandene Interesse muss in tatsächliche Kinobesuche verwandelt werden.