Mehr Besucher, weniger Deals: Der European Film Market 2026 zeigt, dass Berlin weiterhin als Dreh- und Angelpunkt der Branche fungiert – während Vertragsabschlüsse zunehmend in die Folgewochen verschoben werden.

Der European Film Market (EFM), der vom 12. bis 18. Februar als Teil der 76. Berlinale stattfand, zeigte erneut, dass er als zentrale Branchenplattform im Jahresverlauf weiterhin hohe Bedeutung besitzt. Laut offiziellen Angaben besuchten über 12 000 Fachleute aus der Film‑ und Audiovisuellen Industrie das Branchenereignis in Berlin, mit einem breiten Programm aus Screenings, Panels und Networking‑Formaten, das zudem im Vergleich zum Vorjahr deutlich erweitert wurde.

Trotz dieses gesteigerten Interesses blieben jedoch die während der Marktveranstaltung tatsächlich abgeschlossenen Verträge vergleichsweise überschaubar. Gespräche und Verhandlungen waren zwar zahlreich, führten aber häufig nicht sofort zu verbindlichen Abschlüssen. Stattdessen entwickelten sich viele Projekte zu Diskussions‑ und Evaluierungsphasen, die über Berlin hinaus andauern dürften. Das spiegelt einen strukturellen Wandel im internationalen Verkaufs‑ und Akquisitionszyklus wider: Berlin dient immer stärker als Ausgangspunkt für Verhandlungen, deren Abschluss erst in den folgenden Wochen und Monaten erfolgt.

Ein herausragendes Beispiel für die eher spärlich gesäten größeren Deals war der weltweite Erwerb des Films „Skeletons“, mit der Schauspielerin Brie Larson, durch Sony Pictures in einer berichteten Größenordnung von rund 25 Mio. USD. Dieser Deal demonstriert zwar, dass Kapital für klar positionierte, genreorientierte Projekte weiter verfügbar ist, zugleich aber auch, dass vergleichbare Transaktionen in dieser Höhe selten waren.

Markt im Wandel

Die Veranstalter und Marktteilnehmer beschrieben einen Trend zu längeren Verhandlungs‑ und Entscheidungsprozessen, der mehrere Ursachen haben dürfte:

  • Käufer fordern zunehmend umfassendere Materialien und Daten zur Markt‑ und Zielgruppenanalyse.

  • Finanzierungsstrukturen werden komplexer, häufig involvieren mehrere Partner und öffentliche Förderkomponenten.

  • Strategien für Fensterplanung, Lizenzierung und Plattform‑Verhandlungen gewinnen an wirtschaftlicher Bedeutung.

In der Praxis bedeutet das, dass Berlin vor allem als Ort der Initiierung von Gesprächen und strategischer Positionierung fungiert, während die tatsächlichen Vertragsabschlüsse zunehmend in Folgeveranstaltungen wie den Märkten in Cannes, Toronto oder Los Angeles erfolgen dürften.

Strukturelle Herausforderungen

Über die Deals hinaus beeinflussen strukturelle Faktoren das Marktklima. So befindet sich mit Wild Bunch France ein ehemals bedeutender unabhängiger europäischer Vertriebspartner in einem beobachtungsbedingten Insolvenzverfahren, was die schwierige Lage mittelgroßer Anbieter unterstreicht. Die Kombination aus rückläufigen Zuschauerzahlen in einzelnen Territorien, starkem Wettbewerbsdruck durch integrierte Mediengruppen und steigenden Kosten verschärft die Lage für unabhängige Käufer.

Zudem beobachten Branchenbeobachter eine zunehmende Fragmentierung des Publikums, insbesondere bei jüngeren Zuschauern, die vielfältige digitale Konsumgewohnheiten entwickelt haben. Filme, die sowohl arthouse‑ als auch kommerzielle Zielgruppen erreichen, bleiben rar, was die Risikobereitschaft der Akquisiteure weiter dämpft.

Fazit

Die EFM 2026 bestätigte ihre Rolle als zentraler Treffpunkt und Impulsgeber im internationalen Filmmarkt – jedoch in einem Umfeld, in dem Abschlusszyklen länger und selektiver geworden sind. Während die Zahl der Teilnehmer und die Vielfalt der Aktivitäten wuchsen, blieb die Zahl der unmittelbar abgeschlossenen kommerziellen Deals begrenzt. Der Markt fungiert zunehmend als Plattform zur Initiierung von Gesprächen und zur strategischen Orientierung, deren Ergebnisse erst im weiteren Jahresverlauf sichtbar werden dürften.

FILMTAKE berichtet ausführlich.

 
Bild mit KI generiert, Chat-GPT