Internationale CNC-Studie zeigt: Die Zukunft der Branche liegt nicht in mehr Leinwänden, sondern in besseren Erlebnissen, stärkerem lokalem Content und einem neuen Verständnis des Publikums.

Die Schlagzeile vom „Kinosterben“ hält sich hartnäckig. Doch die internationale Analyse des französischen Filmförderinstituts CNC zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild: Das Kino verschwindet nicht – es befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Die Branche muss sich auf ein Publikum einstellen, das seltener, aber gezielter ins Kino geht, und auf einen Markt, in dem lokale Filme, neue Angebotsformen und individuelle Kinoerlebnisse an Bedeutung gewinnen.

Die vom CNC veröffentlichte Studie „Les salles de cinéma : quelles tendances à l’international?“ untersucht 14 zentrale Kinomärkte und analysiert die Entwicklung von Auswertung, Publikum, Filmangebot und Geschäftsmodellen nach der Pandemie. Die zentrale Erkenntnis: Die Krise des Kinos ist weniger eine Krise des Mediums als eine Krise des bisherigen Modells.

Weniger Besuche, aber kein Rückzug vom Kino

Die weltweiten Kinomärkte liegen weiterhin unter dem Vor-Corona-Niveau. Der Rückgang der Besucherzahlen zeigt jedoch nicht automatisch einen Bedeutungsverlust des Kinos. Vielmehr verändert sich das Verhalten der Zuschauer: Kinobesuche werden stärker ausgewählt, Filme müssen einen besonderen Anlass bieten.

Für die Branche bedeutet das eine Verschiebung vom Mengenmodell hin zum Qualitätsmodell. Nicht jeder Film kann noch mit einer breiten Publikumswirkung rechnen – dafür können einzelne Ereignisse deutlich größere Aufmerksamkeit erzeugen.

Lokale Filme werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Eine der wichtigsten Entwicklungen betrifft die Rolle nationaler Produktionen. Die CNC-Analyse zeigt: Erfolgreiche Kinomärkte hängen zunehmend von der Stärke ihres eigenen Contents ab. Hollywood bleibt ein wichtiger Faktor, aber die Dominanz amerikanischer Produktionen ist nicht mehr selbstverständlich.

Für Deutschland ist dieser Punkt besonders relevant. Die Zukunft des Kinomarktes wird nicht allein durch internationale Blockbuster entschieden, sondern auch durch die Fähigkeit, eigenes Publikum mit lokalen Geschichten zu erreichen.

Die Frage für Produzenten und Förderinstitutionen lautet daher: Welche Filme schaffen es, wieder kulturelle Ereignisse zu werden?

Mehr Leinwände lösen das Problem nicht

Ein überraschender Befund der Studie: Weltweit gibt es heute mehr Kinoleinwände als vor der Pandemie. Gleichzeitig sind die Besucherzahlen vielerorts deutlich niedriger. Die reine Anzahl an Sälen ist deshalb kein ausreichender Erfolgsindikator.

Entscheidend wird sein, wie Kinos ihre Räume nutzen. Moderne Kinostrategien setzen zunehmend auf Komfort, Premium-Angebote, Veranstaltungen und eine stärkere Bindung an lokale Zielgruppen.

Das Kino muss vom reinen Abspielort stärker zum Erlebnisort werden.

Streaming ist nicht der Gegner

Die alte Gegenüberstellung „Kino gegen Streaming“ greift laut CNC-Analyse zu kurz. Streaming hat die Sehgewohnheiten verändert, aber es ersetzt nicht automatisch das Gemeinschaftserlebnis Kino.

Die Herausforderung liegt vielmehr darin, die jeweiligen Stärken der Auswertungswege zu verstehen: Streaming steht für Verfügbarkeit und Bequemlichkeit, Kino für Gemeinschaft, Eventcharakter und emotionale Wirkung.

Neue Aufgaben für Kinobetreiber

Die Rolle der Kinobetreiber verändert sich. Marketing, Zielgruppenanalyse und Programmgestaltung werden wichtiger. Kinos müssen ihr Publikum besser kennen und stärker datenbasiert arbeiten.

Damit verschiebt sich auch das Verhältnis zwischen Verleihern und Kinobetreibern: Die Vermarktung eines Films endet nicht mehr automatisch beim Starttermin – sie wird zunehmend zur gemeinsamen Aufgabe.

Chance für unabhängige Kinos

Gerade kleinere und unabhängige Häuser können von dieser Entwicklung profitieren. Ihre Stärke liegt weniger in der Konkurrenz über Masse, sondern in Profil, Nähe zum Publikum und kuratierten Programmen.

Die CNC-Studie sieht insbesondere für Arthouse-Strukturen Chancen, wenn Kinos ihre Rolle als kulturelle Orte weiterentwickeln.

Fazit: Das Kino braucht keine Rettung, sondern eine Weiterentwicklung

Die internationale Perspektive zeigt: Die Zukunft des Kinos entscheidet sich nicht daran, ob Menschen grundsätzlich noch Filme auf großer Leinwand sehen wollen. Die entscheidende Frage ist, welchen Wert ein Kinobesuch künftig bietet.

Für die deutsche Filmwirtschaft bedeutet das: Weniger Fokus auf die Rückkehr zum alten Normalzustand, mehr Aufmerksamkeit für neue Publikumsbedürfnisse, starke lokale Inhalte und innovative Kinomodelle.

Das Kino verschwindet nicht. Aber es muss sich neu erklären.