Die Medienanstalt Hessen und die FSK sehen dringenden Handlungsbedarf beim Jugendmedienschutz. Angesichts veränderter Mediengewohnheiten von Kindern und Jugendlichen fordern sie einen zukunftsfähigen Rechtsrahmen sowie mehr Verantwortung fĂ¼r anerkannte Selbstkontrollen. Auch das Elternprivileg im Kino soll ausgeweitet werden.

Bei ihrem traditionellen FrĂ¼hlingsgespräch haben sich die Medienanstalt Hessen und die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) auf eine gemeinsame Linie beim Jugendmedienschutz verständigt. Im Fokus standen die Anpassung regulatorischer Rahmenbedingungen an das veränderte Mediennutzungsverhalten junger Zielgruppen sowie die Rolle der Selbstkontrollen im System der Altersfreigaben.

Beide Institutionen betonen, dass ein wirksamer Jugendmedienschutz nur auf Basis eines stabilen, zukunftsfähigen gesetzlichen Rahmens funktionieren könne. Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussionen zur Reform des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) sprechen sie sich fĂ¼r eine Stärkung anerkannter Selbstkontrollen aus.

Als Beispiel wird dabei die FSK hervorgehoben, die mit rund 170 ehrenamtlichen PrĂ¼ferinnen und PrĂ¼fern aus ganz Deutschland Altersfreigaben fĂ¼r Filme in unabhängigen Verfahren erarbeitet. Ergänzt wird dieses System durch Kinder- und Jugendpanels, einen Jugendbeirat sowie wissenschaftliche Forschungsformate, die gesellschaftliche Perspektiven in die Bewertung einflieĂŸen lassen.

Murad Erdemir, Direktor der Medienanstalt Hessen, betont die wachsenden Herausforderungen durch neue Mediengewohnheiten junger Nutzerinnen und Nutzer. Politik und Regulierung mĂ¼ssten diesen Wandel aktiv gestalten. Selbstkontrolleinrichtungen wie die FSK seien dabei tragende Säulen eines funktionierenden Jugendmedienschutzes und mĂ¼ssten entsprechend gestärkt werden.

Auch Kerstin Waldeck, Leiterin Referat Grundsatz, Recht und Regulierung der Medienanstalt Hessen, sieht in der Weiterentwicklung des Jugendschutzes eine Chance fĂ¼r eine technikneutrale und zukunftsfähige Regulierung. Entscheidend sei ein ausgewogenes System, das die Expertise der Selbstkontrollen einbezieht und zugleich Transparenz sowie Wettbewerbsgleichheit sicherstellt.

Elternprivileg im Kino im Fokus

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war das sogenannte Elternprivileg im Kino. Beide Seiten sprechen sich dafĂ¼r aus, die bestehende Parental-Guidance-Regelung im Jugendschutzgesetz auszuweiten. Eltern sollen kĂ¼nftig auch bei Filmen mit FSK-Freigaben ab sechs sowie ab 16 Jahren eigenverantwortlich Ă¼ber den Kinobesuch ihrer Kinder entscheiden können.

Ziel der Anpassung sei eine stärkere Harmonisierung zwischen Kino- und anderen Mediennutzungsformen. Zudem solle die gemeinsame Filmrezeption als Möglichkeit zur Förderung von Medienkompetenz gestärkt werden.

Stefan Linz, GeschäftsfĂ¼hrer der FSK sowie der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), kritisiert in diesem Zusammenhang die bislang uneinheitliche Ausgestaltung des Erziehungsprivilegs. Eltern sollten unabhängig vom Vertriebsweg selbst Ă¼ber Inhalte entscheiden können. Die ergänzenden Hinweise der FSK böten dabei eine wichtige Orientierung fĂ¼r eine bewusste Mediennutzung.

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